Neil Gaiman - Death: Der Preis des Lebens

Der Preis des Lebens

"Einmal in hundert Jahren nimmt Death menschliche Gestalt an,
damit sie besser versteht, wie sich das Leben anfühlt, das sie nimmt,
um den bitteren Geschmack der Realität zu kosten.

Das ist der Preis, den sie dafür zahlt,
daß sie das Leben von allem trennt, das vorher war,
und von allem, was danach kommt."


Wir alle haben irgendwie eine Vorstellung vom Tod vor Augen ... und wir alle kennen die üblichen Bilder, die mit ihm einhergehenden ... das seltsame Wesen in der Robe, die Kaputze weit übergestreift, sodaß man nicht in sein Gesicht sehen kann - wenn die Gestalt denn wirklich eins hat. In den Händen festumklammert die grosse Sense ... kalt, nüchtern und endgültig.

Was für ein Kontrast dazu ist die Erscheinung von "Death"... aber daß ich auf den Seiten wohl einiges ungewöhnliches entdecken würde, war mir bereits klar, als ich sah, daß Tori Amos das Vorwort zum dazu geschrieben hat, in dem sie beschreibt, was Death in ihrem Leben für eine Rolle spielt bzw. wann sie an sie denkt und wie beruhigend doch der Gedanke ist, daß vielleicht so ein Wesen hinter dem Tod stecken könnte ... lebensfroh und voller Wärme. Nun, ich lese nicht häufig Bücher oder Comics, bei denen Sängerinnen, die durchaus als bekannt einzustufen sind, ein Vorwort zu verfassen ...

Der Comic handelt von Sexton Furnival, einem sechzehnjährigen, nachdenklichen, introvertierten Jungen, der für sich selbst zu dem Ergebnis gekommen ist, daß alles keinen Sinn ergibt. Er liebt nicht, er hasst nicht, er stellt ganz nüchtern fest, daß es zu wenig in diesem Leben für ihn gibt und daß er genauso gut tot sein könnte - es würde keinen Unterschied machen, weil es niemanden interessiert. Diese Erkenntnis schreibt er in den Abschiedsbrief an seine Mutter ... keine Vorwürfe, kein Hilferuf, eine nüchterne Feststellung, mehr nicht. Er verlässt das Haus und geht auf die Müllkippe, ein Ort, der ihm anscheinend gefällt, an dem er seinen Blick schweifen lassen kann.

Der Junge verunglückt, als plötzlich ein Kühlschrank ins Rutschen gerät und er unter ihm begraben wird. Eingeklemmt ruft er um Hilfe - und das ist der Punkt, an dem Death ins Spiel kommt - in Gestalt einer jungen Gothic-Frau, bleiche Haut, schwarzes Haar, schwarze Kleidung, ein grosses Ankh-Symbol an einer Kette um den Hals, auf ihre Art schräg drauf. Sie rettet ihn aus der Lage, verschiebt den Kühlschrank ... und antwortet auf die Frage, was sie hier macht, nur "Ich bin hier, um zu atmen". In dem folgenden Tag lernt der Junge von der lebensfrohen oder auch lebenshungrigen Death einiges über das Leben ... er erfährt sichtlich verwirrt, wie genussvoll ein einzelner Apfel oder ein Hotdog sein können, und er sieht zum ersten Mal in seinem Leben eine Leiche. Wo Licht ist, sind auch Schatten ... so gibt es auch Leute, die 100 Jahre gewartet haben ... auf genau den einen Tag, an dem Death wieder in Menschengestalt umhergeht ...

Mich persönlich hat der Comic sehr beeindruckt, weil er einen seltsamen Tiefgang hat und vieles unterschwellig zwischen den Zeilen sagt. Man kann sagen, es ist ein Comic über den Tod und ein Comic übers Leben ... er regt zum Nachdenken an und manchmal auch zum Schmunzeln ... wenn etwa die Vermieterin von Death scherzhaft meint, sie würde nochmal ihr Tod sein ... Leseempfehlung, definitiv sein Geld wert.