Sonntag, 22.07.2001

Der Tod kommt plötzlich. Und unvermittelt. Aber ich kann ihn dennoch spüren ... Schritt für Schritt tritt er näher an mich ran. Ich höre das leise Schreien meines gequälten Schädels. Es klingt irgendwie nach ´muh´. Eigenartig. So hatte ich mir die letzten Minuten vor dem Tod nicht vorgestellt. Dabei hatte der Tag gar nicht mal so schlecht begonnen. Und ich war gewarnt worden. Ja. Mehrmals. Und ich hatte die Warnungen beachtet, hatte aufgepasst, mich bewusst bewegt. Doch dann war da dieser Durst und der Gedanke an das stehengelassene Bier auf dem Tisch ... und da war das schwunghafte Aufstehen ... und dann war da dieser sture, unnachgiebige, denkbar bescheiden plazierte und viel zu tief hängende massive Holzquerbalken. Ein dumpfer Knall, eingehend mit der Erkenntnis, daß ich wohl gerade was vergessen hatte, was ich hätte beachten sollen. Wie viele Mid-Air-Kollisionen hatte ich in meinen Jahren in Warbirds ... doch sie waren keine Vorbereitung auf die dumpfe Wucht der Wirklichkeit.

Oh wohlige Benommenheit, die Du nun einkehrst in mein Haupt, laß mich nicht zu sehr leiden vor meinem Dahinscheiden ... wickel meine Sinne ein in die Schleier der Umnachtung ... führe mir ein letztes Mal die schönen Stationen meines Lebens vor Augen ... oh Sonne, die Du da scheinst am Firmament, schicke mir ein letztes Mal Deine wärmenden Strahlen. Oh Vögel, die ihr da seid im grünen Garten, so zwitschert ein letztes Mal für mich. Oh, all ihr gejagten und geschundenen Füchse da draussen, egal welcher Farbe, stimmt ein in mein heiliges Requiem des Leidens. Oh Beule, die Du dich bildest auf meiner Kopffläche links oben, ausgelöst von einem ungeheuer unelatischen Stoß, sei Dir bewusst, daß ich es Dir nicht nachtragen werde, daß Du mein Antlitz derart verzerrst. Denn dazu bleibt mir eh nicht mehr viel Zeit.

Und so verrinnen die Sekunden. Nur das mit kaltem Wasser durchtränkte Handtuch hält mich vermutlich beim Schreiben dieser Zeilen noch bei Bewußtsein ... denn es kühlt vielleicht nicht unbedingt die Beule, aber dafür tröpfelt dieses ganze Wasser ständig meinen Nacken runter ... als hätte es besseres zu tun als die Beulen eines sterbenden Fuchses zu lindern.

All ihr wackeren Helden des Alltags, Bewahrer der 24 Stunden und Streiter der ungünstig zubereiteten Iglo-Scholle ... lasset euch gesagt sein, selbst die tapfersten Gralsritter sind menschlich und als solches sterblich ... aber tapfer auch im Angesicht des Todes ! Da kann sich James Bond noch ein Stück von abschneiden.

Hmmm ich liebe mich, wenn ich tapfer und wehleidig zugleich bin :-).