Dienstag, 07.08.2001

Natur. Immer wieder etwas mysteriöses ... und faszinierendes. Daß Leben überall entsteht, wo es irgendwie entstehen kann ... egal, wie die Umstände sind, es sucht sich seinen Weg und findet ihn. Man braucht nur einmal die Augen aufzuhalten und sieht es ... ein Beispiel gefällig ?

Diese Blume etwa ... wunderschön gediehen ... zwischen Steinplatten ... einfach so, in der Fuge, als wär ihr das Drumrum restlos egal ... und daß sie da eigentlich gar nicht so recht hinpasst, es viel zu eng ist, es nur einen Meter weiter eigentlich viel günstiger für sie wäre ... alles egal. Der Wind hat den Samen dort hingetragen, er hat, was er braucht, und schon wächst die Blume ... bewunderswert ... wenn bei uns Menschen doch einiges auch so kompromisslos einfach ginge und es uns auch etwas häufiger gelingen würde, das ewige Drumrum wegzuschalten und das zu sehen, worauf es wirklich ankommt.

Eine andere Perspektive ... hier kann man sehen, wie klein eigentlich diese Querfuge ist, zwischen der die Blume hochgekommen ist ... man sieht die Fuge angedeutet links unter dem Blatt.

Oder die Platten ... der Mensch legt Platten, schön gerade, alles in Ordnung ... aber so bleibt es nicht ... man muß der Natur nur etwas Zeit geben. Da ist ein Baum, dessen Wurzeln sich nicht danach richten, wohin der Mensch nun etwas gesetzt hat, was gerade sein soll ... es ist ihm egal, was der Mensch sich für eine Ordnung überlegt hat ... und das Gewicht der Platten ist ihm eh egal. Die Wurzeln schlagen aus, Meter um Meter, werden dicker und stärker und heben einfach alles hoch, was da auf ihnen ruht, oder drängen sich einfach in die Fugen, so, als wollten sie sagen ´Hey, ist das mein Problem, hab ich Dich gebeten, hier Platten hinzulegen ? Sie zu, wie Du klar kommst.´ Das Ergebnis über die Jahre hinweg kann man oben auf dem Foto sehen ... es ist kaum zu glauben, wie stark selbst ein Baum mit vermeintlich schmalen Stamm im Erdreich verwurzelt ist ... wenn ich es nicht gesehen hätte, ich würde es nicht glauben. Man kann auch nicht mal einfach so eine Platte rausnehmen in der Hoffnung, sie anschließend wieder reinzubekommen ... irgendwie ist der Druck auf die Platten so stark, daß - sobald man eine rausnimmt ... alles rundum sich minimal verschiebt, nur wenige Millimeter, so, als hätten die Platten nur darauf gewartet, endlich atmen zu können ... und es sind diese wenigen Millimeter, die verhindern, daß man die Platte wieder reinbekommt, man kann versuchen, was man will, es passt einfach nicht. Faszinierend auch, wie aus dem Sand, der ursprünglich unter den Platten war, mit den Jahren eine wirklich harte Schicht geworden ist, fast schon gesteinsartig, mit bloßen Händen kaum noch zu zerkleinern.

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den Eintrag, den ich irgendwann zu diesem verlassenen Bahnhof und den nicht mehr benutzten Gleisen geschrieben habe ... das hier ist dasselbe Thema. Die Natur hat ihren eigenen Weg ... und sie lässt sich von uns Menschen nunmal nichts aufzwingen ... auch wenn sie vielleicht eine Weile geduldig diesen Eindruck erweckt ... sie ist der Hausmeister, nicht wir, sie braucht sich nicht mit uns zu arrangieren ... vielmehr sind wir es, die sich an ihr ausrichten müssen, wenn wir Bestand haben wollen.