Sonntag, 23.09.2001

I watch the TV everynight
I stay awake by satellite
I hope and pray the nightmares
Stay away today.

An oily shroud on a coral reef
A black cloud´s hanging over me ...
When I hit on the remote
The programmes stay the same.

(Credo/Fish)

Es kotzt mich an. Wirklich. Es kotzt mich so maßlos an. Wenn ich sehe, wie Leute aus Afghanistan wieder auf der Flucht sind ... mit ihren wenigen Habseligkeiten. Es kotzt mich so an, wenn ich sehe, wie einige selbstherrlische Führer zu einem ´heiligen Krieg´ rufen ... während das eigene Volk sich schutzsuchend in die Berge verkriecht oder versucht, über die Grenze zu kommen. Warum sind es immer die gleichen, die alles ausbaden dürfen ? Weil man die richtigen nie bekommt ? Es kotzt mich so an, wenn ich sehe, wie Kinder im Kindergarten sind und plötzlich nicht mehr abgeholt werden, weil irgendjemand meinte, ein Zeichen setzen zu müssen. Es kotzt mich so an, wenn ich sehe, wie eine Frau eine handvoll verschimmeltes Brot kaufen muß, um es dann im Mörser zu zerkleinern und es ihren vier Kindern zu geben, weil irgendwelche religiösen Fanatiker der Meinung sind, Frauen dürfen nicht arbeiten, und eine alleinerziehende Frau keine Chance hat. Es kotzt mich so an, wenn ich höre, wie Feuerwehrleute vermisst werden, die nur helfen wollten. Es kotzt mich so an, wenn tausende Leute sterben oder verwundet werden, nur weil einzelne sich selbst der Welt etwas beweisen wollen, wie toll sie sind. Sie kotzen mich so restlos an, diese Leute, die meinen, die Weisheit gepachtet zu haben ... die meinen, unfehlbar zu sein ... die für ihren eigenen Kopf und ihre Profilierung über Leichen gehen. Ja, geht in den Tod, ihr kommt ins Paradies und seid dann da ganz oben, die Helden ... selbst wenn ihr hier unten im größten Elend wart und Staub geschluckt habt, im Paradies seid ihr dann die Größten. Komischerweise sind es aber immer nur die kleinen Folglinge, die so bereitwillig ihr Leben für die vermeintlich große Sache lassen, während die weitsichtigen Führer ihre Nase natürlich aus diesen Sachen raushalten und insgeheim über diese Narren lachen, die ihr Leben naiv für die Ziele anderer lassen. Mich kotzt diese Naivität und Beeinflussbarkeit so an. Und mich kotzen die Religionen an, die soviel Nährboden für Hass zwischen den Menschen liefern und soviel Rechtfertigung für die Taten einzelner ... egal, ob im nahen Osten, in Irland oder in Amerika.

Und die Reaktionen einiger. Anschlag auf Amerika. Auf Amerika. Schön begrenzen alles, schön draußen halten, nicht reinlassen, man könnte sich ja beteiligt fühlen. Dieses selektive Denken der Menschen kotzt mich so restlos an ... die da, der da, alles weit weg, Hauptsache ich nicht, bei mir ist alles in Ordnung, hier passiert sowas nicht ... immer schön auf betroffen machen, aber einem das ganze Elend dann eigentlich doch restlos am Arsch vorbeigehen lassen. Alles so weit weg. Ob das die Familien der Opfer auch so sehen ? Das es so weit weg ist ? Die Amerikaner ? Oder ob die Familien der deutschen Toten das wohl auch so sehen ? Oder der Franzosen ? Briten ? Kanadier ? Japaner ? Und von welchen Nationen sonst noch Menschen im World Trade Center war ? Was für ein kranker Zynismus.

Warum hört man nicht etwas zu den Menschen, die täglich auf der Welt verhungern oder an Seuchen oder Krankheiten zugrundegehen, weil ihr Land kein Geld hat, um etwas für die gesundheitlichen Bedingungen im Land zu tun ? Oder das Geld doch hat, es aber lieber für Waffen ausgibt, um die eigenen Leute zu unterdrücken oder dem Nachbarland eins auf die Mütze zu geben ? Ist das für uns wirklich alles schon so alltäglich, daß wir es gar nicht mehr wahrnehmen ? Sind wir wirklich schon so abgestumpft von dem, was in unserer Welt vorgeht ? Muß es wirklich schon so ein Massaker sein, damit wir wieder einmal sehen, daß etwas nicht stimmt mit dem, wie wir miteinander umgehen ?

Wir Menschen werden nie zueinander finden ... niemals.

The more you scream, the less you hear
Or that´s how it used to be.
But I just can´t tell the difference
Anymore these days.

(Credo/Fish)