Sonntag, 22.12.2001

"Thank you for the days,
Those endless days, those sacred days you gave me.
I'm thinking of the days,
I won't forget a single day, believe me."

(Days/Elvis Costello)

"Detlef, hast Du einen Fotokopierer?" fragt mein Nachbar von gegenüber. "Hallo" sage ich und "Nein" füge ich irgendwie murmelnd hinzu, während ich das Garagentor hochschiebe. Es ist früh am Tage und ich habe keine große Lust auf Konversation mit meinem Nachbarn. Und ich habe keinen Fotokopierer. Ich habe nichtmal mehr einen Scanner. Ich hatte einen, den hat jetzt mein Bruder. Mir hat er ständig Probleme beschert. Der Scanner. Meinem Bruder beschert er keine, weil er nicht weiß, wie man ihn benutzt. Mein Bruder benutzt den PC nur zum Surfen ... und für Ebay. Einen Drucker habe ich noch. Einen Drucker, der mir auch mehr und mehr Probleme bereitet. Probleme, über die ich jetzt nicht reden möchte ... es reicht, daß ich mir gestern nach meinem Einkauf im Globus noch schnell bei Technoworld eine neue Tintenpatrone gekauft habe ... für 52 DM. Meine vorige hatte 57 DM gekostet. Ich dachte immer, sie wäre nur bis Juli 2001 haltbar ... wobei ich nicht weiß, wieso ich das dachte. De facto ist sie bis 2004 haltbar ... was den Drucker allerdings nicht wirklich davon abhält, nach einer Druckkopfreinigung und dem Druck von zwei Testblättern die Lampe anzuwerfen, daß die schwarze Tintenpatrone leer ist ... die ich aber irritierenderweise gerade erst eingesetzt habe. An der Druckqualität hat sich indes auch nach der Reinigung des Druckkopfes nichts getan. Die neue Patrone ist auch wieder bis 2004 haltbar ... vielleicht schlägt sie sich wackerer. Vielleicht auch nicht. Im Moment ist mir das relativ egal.

Es hat geschneit, nicht viel aber immerhin, und es ist kalt genug, damit der Schnee liegen bleibt ... knapp kalt genug, um die Null Grad. Auf der Straße liegt natürlich kein Schnee. Auf der Straße lag irgendwann Schnee, aber jetzt ist es mehr ein ziemlich nasser Pratsch, der mich schaudern lässt. Ich weiß nicht, wieso. Nasser Schneepratsch wirkt auf mich deutlich kälter und unbehaglicher als weißer Schnee, der liegenbleibt. Vermutlich ist das so, seit ich in meiner Kindheit beim Rodeln mal mitten in eine große Schneepratschpfütze gefahren bin ... es war glaube ich damals die einzige auf dem ganzen Rodelberg ... was mich nicht wirklich davon abgehalten hat, sie zielgenau zu treffen. Der Lurch meint, draußen wären 0 Grad. Manchmal meint er auch, es wären minus null Grad. Aber nicht minus ein Grad. Irgendwie erwarte ich die ganze Fahrt, daß die Anzeige mal auf minus ein Grad umspringt. Sie macht es nicht. Es schneit leicht. Null Grad ... das ist der Gefrierpunkt. Gestern waren auch null Grad ... gestern hat es nicht geschneit, sondern geregnet, und ich hattee mich auf der Fahrt gewundert, warum es wohl regnet und nicht schneit ... vermutlich, weil es nicht kalt genug war, um zu Schneien. Heute schneit es, und es wundert mich nicht weniger ... warum schneit es und regnet nicht ? Vermutlich, weil es zu kalt ist, um zu Regnen. Aber es ist doch heute genauso kalt wie gestern ?! Ich beende meine Gedankengänge mit der These, daß Kälte auch für Wasser etwas sehr relatives ist. Das muß für den Moment reichen.

Ich fahre Tanken ... bei Aral. Irgendwie tanke ich seit nunmehr 5 Jahren bei Aral, und fast immer an derselben Tankstelle. Der Fuchs ist ein Gewohnheitstier ... ich habe es oft von anderen gehört und kann es nur bestätigen ... selbst wenn ich zeitweise meine Mitmenschen mit durchaus unvorhersehbaren Verhaltensweisen überrasche. Die Tankstelle ist irgendwie nicht so stark frequentiert wie ich es erwarte ... zuerst befürchte ich schon, sie wäre heute geschlossen. Eine absurde Vorstellung ... warum sollte sie geschlossen sein ? Es ist ein normaler Samstag, nichts besonderes ... und womit sollen die Leute ihr Geld verdienen, wenn sie die Tankstelle schließen ? Außerdem muß ich tanken ... auch wenn mein Tank noch knapp viertelvoll ist ... was beim Lurch 15 Liter sind. 15 Liter sind mir zu wenig. Wer weiß, wohin ich noch muß. Und schließlich fahre ich am Dienstag zu meinem Bruder. Ein voller Tank wirkt auf mich beim Autofahren beruhigend. Ich mag da keinen Tank, der nur noch viertelvoll ist, selbst wenn ich weiß, daß ein viertelvoller Tank reichen müßte, fühle ich mich unwohl. Vielleicht ist da irgendwo im Hinterkopf die Befürchtung, ich könnte mich verfahren, und weit und breit wäre keine Tankstelle. Da tanke ich lieber zu früh als zu spät. Die Kassiererin an der Tankstelle ist jung und wie ich finde recht gutaussehend ... ich schätze sie auf 19 oder 20 ... vielleicht 21, aber eher weniger als mehr. Sie macht, als ich zum Bezahlen komme, einen seltsam erwartungsfreudigen Eindruck auf mich. Vielleicht erwartet sie, daß ich ein kleines Weihnachtsgeschenk für sie aus meiner Lederjacke zaubere, eingepackt in rot glänzendes Papier mit einer elegant drumrum gebundenen goldenen Schleife. Wenn sie mich kennen würde, würde sie natürlich wissen, daß ich nichts derart verpacktes verschenke. Wobei ich momentan nichtmal weiß, wieso der Gedanke an so eine Verpackung mir seltsam abwegig erscheint. Außerdem hat meine Jacke keine Tasche, die groß genug wäre, ein kleines Geschenk wirklich wohlbehalten zu transportieren. Und ich seh die Kassiererin schließlich zum ersten Mal. Nein, es gibt leider kein Geschenk ... dafür wünsche ich ihr frohe Weihnachten. Eine Quittung brauche ich nicht. Ich zähle nicht zu den Autofahrern, die zuhause ausrechnen, wieviel sie denn nun mit der Tankfüllung verbraucht haben, ob das nun deutlich mehr oder weniger war als sonst und sich womöglich die Quittung noch irgendwo hinlegen in der vagen Vermutung, man könne sie nochmal brauchen. Nein, ich brauche keine Quittung. Ich habe hier genug Zettel rumfliegen, auf denen irgendwas steht, was ich mir mal notiert habe, weil ich irgendwann nochmal dran erinnert werden wollte. Dinge, die wichtiger sind als irgendwelche durchschnittlichen Verbrauchswerte und Benzinpreise. Und Dinge, die ich ebensowenig finde, wenn ich sie einmal brauche. Wenn ich den Verbrauch sehen will, laß ich ihn mir vom Lurch anzeigen ... mach ich aber so gut wie nie ... der Lurch verbraucht ohnehin immer das gleiche, abgesehen von den Schwankungen ... aufzuschreiben brauche ich da nichts, wozu auch ... ist das ignorant ? Oder gar arrogant ? Vielleicht sollte man sich öfters den Luxus eines gewissen Mindestmaßes an Arroganz gönnen, hat eine erfrischend befreiende Wirkung auf das Leben.

Jetzt geh ich Schneeschippen ... worauf ich mich übrigens nicht wirklich freue.