Sonntag, 23.12.2001

"Don't look back until you've tried
A line so openly a lie
'Outside of you, it's just tomorrow starting'"

(Tomorrow Started/Talk Talk)

Weihnachten tritt in eine neue Phase. Ich lese einer Freundin am Telefon etwas vor. Sowas ist eine Seltenheit bei mir ... etwas, worauf ich wirklich Lust haben muß ... und was erfahrungsgemäß selten der Fall ist. Wir haben uns in ICQ gesehen, ich habe gefragt, ob ich ihr was vorlesen soll, sie wußte erst nicht, ich meinte daraufhin, sie solle es sich schnell überlegen, denn mein Angebot würde nicht endlos lange halten, noch hätte ich Lust darauf, etwas vorzulesen, was 5 Minuten später schon anders aussehen könnte. Worauf sie sich schließlich doch zu einem Anruf durchringt.

Es ist nicht die Weihnachtsgeschichte. Es ist "ein Regenschirm für diesen Tag" von Wilhelm Genazino. Ich denke, ich werde dazu einen Buchtipp machen, wenn ich es einmal durch habe. Und die Chancen stehen gut, daß dies bald sein wird. Das Buch ist kurz, mehr ein Büchlein, und es liest sich fast wie von selbst ... weil ich irgendwie finde, daß es wie für mich gemacht ist. Wofür ich dem Autor an dieser Stelle danken möchte. Einfach so. Man muß auch mal Danke sagen, wenn einem etwas gefällt. Ich suche eine Stelle, bei der ich anfangen kann. Da ich gerade mitten in einem Kapitel bin, ist es schwer. Ich beginne einfach auf der Seite davor. Es ist teilweise schwer, ernst zu bleiben beim Lesen ... fast wie im richtigen Leben, wo es mir auch zunehmend schwerer fällt, einigen Situationen mit der nötigen Ernsthaftigkeit zu begegnen. Als das Kapitel zuende ist, möchte ich eigentlich aufhören. Aber sie möchte, daß ich weiterlese. Was ich dann auch mache. Ihr scheint zu gefallen was sie hört. Was kein Wunder ist, denn es ist wirklich ein gutes Buch. Irgendwann in der Mitte des folgenden Kapitels fällt mir ein, daß ich einen Capuccino hier stehen habe ... zu spät ... ich nehme den Plural von Schluck (der mir gerade nicht einfällt) und stelle fest, daß der Capuccino kalt ist, woraufhin ich nicht weitertrinke. Ich mag weder kalten Kaffee noch kalten Capuccino. Nur Eiskaffee. Aber den habe ich nicht da. Dafür einen Schokotrunk von einem Hersteller, der den treffenden Namen ´muh´ trägt. Der Name macht mir diesen Trunk irgendwie sympathisch, andrerseits finde ich aber, daß er - so treffend er auch auch auf den ersten Blick sein mag - auf den zweiten Blick ganz und gar nicht passt. Kühe geben keinen Kakao. Ist einfach so. Der Gedanke, eine Kuh könnte Kakao geben, erinnert mich entfernt an die Milka-Kuh ... die aber nichts damit zu tun hat. Ich habe den Kakao irgendwann abends angestochen (mit einem Strohhalm) und seitdem leistet er mir leicht vernachlässigt Gesellschaft ... um nun an die Stelle des erkalteten Capuccinos zu treten. Auch dieses Kapitel findet sein Ende. Und damit auch irgendwann das Telefongespräch, da irgendein Weihnachts-Film mit Halloween-Puppen kommt ... den ich mir aber wahrscheinlich nicht ansehen werde ... oder doch, mal gucken.

Ich bleibe zurück, irgendwie hungrig. Am Donnerstag habe ich mir im Globus zwei Cheeseburger gekauft ... aus dem Tiefkühlregal ... zum Probieren. Mir war danach. Es war sozusagen ein Spontankauf. Aber Cheeseburger wären um diese Zeit (kurz vor 23:00) nicht angemessen. Wobei mich bei der Nahrungsaufnahme eigentlich nie großartig stört, ob etwas zeitlich gerade angemessen ist oder nicht. Aber das ist eine andere Geschichte, auf die ich nicht näher eingehen werde. Vermutlich hat mich das Rumgewerkel an meinem Drucker vorhin wirklich hungrig gemacht und ich habe meinen Hunger nur kurzzeitig beim Vorlesen vergessen. Am Druckbild selbst hat die Reinigungsaktion unzugänglicher Stellen mit Mikadostäbchen leider nichts verbessert. Vielleicht sollte ich einen Ingenieur von Epson entführen und erst wieder freilassen, wenn er es geschafft hat, daß der Drucker mit der neuen Farbpatrone einen vernünftigen, streifenfreien Ausdruck hinbekommt ... als einziges Hilsmittel bekommt er Q-Tips, eine Packung Mikadostäbchen (die immer über meinem Schachbrett im Schrank liegen) und Tesafilm, wenn er beides kombinieren will. Aber zu Weihnachen entführt man wohl keine fremden Ingenieure, um ihnen Dinge aufzuzwingen, die man selber nicht erledigen möchte oder kann ... Delegieren ist schön, hat aber auch seine Grenzen.

Hm. Irgendwie werde ich vor dem heiligen Abend keinen weiteren Eintrag mehr schreiben. Zumindest ist es sehr unwahrscheinlich, daß ich vorher noch einen Eintrag schreibe. Also möchte ich allen Lesern (und auch den Nichtlesern) an dieser Stelle eine

frohe und besinnliche Weihnacht

wünschen ... lasst euch das, worum es geht, nicht vom allgemeinen Geschenkwahn verderben ... denn das, worum es eigentlich geht, kann man nicht irgendwie in Geschenkpapier einpacken ... und bei dem, worum es wirklich geht, braucht man sich auch keine Sorgen darum zu machen, ob der Beschenkte es am liebsten wieder umtauschen würde ... weil er doch lieber eine andere DVD oder Kopfhörer gehabt hätte ;-).