Sonntag, 30.12.2001

"Light a flame in the dark
Light a flame in my heart
Light a candle to see me through these times"

(A new way of life/The Sound)

Der 30.12. ... die Tage zwischen Weihnachten und Silvester. Seltsam, muß irgendwie gerade an diese Weihnachtsserien denken, die in meiner Kindheit um diese Tage rum abends liefen ... sie begannen immer Weihnachten und gingen dann bis leicht ins neue Jahr ... weiß gar nicht, ob es sowas heute noch gibt. Ich denke da an "Tim Thaler", an "Silas" oder "Patrick Pacard" ... hm, mehr fallen mir gar nicht ein ... außer "Manni der Libero", aber das war irgendwie keine Weihnachtsserie. Hab ich nicht mehr von diesen Serien gesehen ? Hm ... möglich ... wirklich glauben kann ich nicht, daß das alle gewesen sein sollen. Vermutlich werde ich einfach immer etwas vergesslicher ;-).

Etwas anderes, was in meiner Kindheit zu diesen Tagen gehörte, war Schnee und Rodeln. Nunja, geschneit hat es etwas, aber ich würde es doch eher als halbherzig einstufen, so, als wolle das Wetter uns etwas Schnee gönnen, aber für angemessene Mengen davon hat es nicht gereicht ... vielleicht muß das Wetter auch sparen oder der Schneelieferant liefert erst wieder, wenn der Euro wirklich da ist. Als ich die Tage am Rodelberg vorbeigegangen bin, waren dann auch wirklich ein paar Kinder rodeln ... irgendwie tat mir das schon ein stückweit weh ... genug Schnee lag nicht, und der Rodelberg war schon mehr braun als weiß ... seltsamerweise dachte ich ´das muß dem Hang doch weh tun, wenn da kein schützender Schnee liegt´ ... naja, viel Gras ist wohl nicht mehr übriggeblieben wo gerodelt wurde. Aber das ist nunmal vermutlich die Bestimmung eines Rodelberges.

Ich hatte euch eine Buchkritik versprochen, und hier ist sie ...

Wilhelm Genazino "Ein Regenschirm für diesen Tag"

Der Ich-Erzähler des Buches verdient sein Geld als Testläufer für Luxusschuhe ... er bekommt pro Gutachten 200 DM und kommt damit einigermaßen über die Runden. Ein Job, den er mehr oder weniger nebenbei erledigen kann ... auf etwas anderes hätte er auch keine Lust. Er flaniert durch die Gegend und beobachtet, was um ihn herum passiert ... ein introvertierter Mensch, der sehr viel nachdenkt, viel mit sich selbst beschäftigt und ein sehr guter Beobachter mit dem Auge fürs Detail ist. Auf seltsame Weise sieht er in allen Menschen, die ihn umgeben, überwiegend das tragische Element, irgendwie hat man den Eindruck, jeder ist auf die ein oder andere Art eine gescheiterte Existenz. Da ist eine Anwältin, die eigentlich immer Schauspielerin werden wollte, für die es aber nur zu einem einzigen Engagement gereicht hat, das lange zurück liegt ... ein Fotograf, der sich für einen großen Künstler hält, von dem aber niemand wirklich die Bilder haben möchte und der letztlich anfängt, Zeitungen auszutragen ... eine Hausfrau, der ihr tägliches Leben einfach zu wenig ist, die meint, man müsse doch irgendwas erleben. Problematisch wird es, als die Schuhfirma die Prämie für die Gutachten auf 50 DM senkt. Das Buch lebt von den Beobachtungen und den Dingen, die der Ich-Erzähler in ihnen sieht ... den Interpretationen ... der Stimmung ... einigen philosophischen Anwandlungen ... es lebt auch von einem wunderbar tiefgründigen Humor, der immer ein wenig unterschwellig vorhanden ist, und einigen schlichweg genialen Ideen ... wie etwa der Aktion, daß der Erzähler sich ein Blätterzimmer anlegt, also den Boden eines Zimmers seiner Wohnung mit Herbstblättern auffüllt, weil er es so liebt, mit quergestellten Füßen durch das herbstliche Laub zu rascheln ... oder der Schweigestundenplan, den er beinahe an alle Freunde und Bekannte verschickt hätte und der steuern sollte, wann man nun mit ihm reden dürfte und wie intensiv (etwa längere Gespräche oder Kurzgespräche) und wann er eigentlich gar nicht reden wollte ... Sonntags wollte er zum Beispiel totales Schweigen anordnen. Tja ... es ist ein recht kurzes, schnell durchgelesenes Buch ... es liest sich praktisch von selbst, es macht einfach Spaß und es endet abrupt ... ich hatte irgendwie den Eindruck ´ups, jetzt hatte er einfach keine Lust mehr weiterzuschreiben, also hat er aufgehört´ ... de facto habe ich danach noch weitergeblättert, um zu schauen, ob da noch was kommt, zuerst konnte ich das nicht so ganz glauben, daß jemand wirklich mitten in der Erzählung aufhört, aber Genazino hat es getan ;-).

Seltsam ... ich weiß nicht, wie es euch geht ... wenn ich etwas gesehen oder gelesen habe, was mir gefällt, möchte ich mehr davon haben ... eine Art Zwang nach Fortsetzung oder nach ähnlichem. Momentan schaue ich, was der gute Mensch sonst noch so geschrieben hat. Das Problem ist, daß man an solche Dinge, die man liest, nachdem man einen Vorgänger gelesen hat, in einer bestimmten Erwartung liest, und dann diese Erwartungen doch allzu oft ein wenig enttäuscht werden. Bestes Beispiel ist für mich immer noch Highlander 2 ... Highlander 1 fand ich genial, im zweiten Teil war ich dann mit zwei Freunden in der Spätvorstellung ... hmja einer davon ist tatsächlich während des Filmes eingeschlafen und ich dachte am Ende so bei mir ´es hätte nur einen geben sollen´. Selbst wenn die Fortsetzung ganz passabel ist wird solange weiter fortgesetzt bis auch der letzte Rest des Interesses dahinscheidet ... siehe Tomb Raider. Vielleicht sollte ich mir generell keine Fortsetzungen oder ähnliches mehr ansehen ... immer nur den Anfang, die Erstwerke oder was auch immer ... wenn da nur nicht diese Neugier wäre ;-).