Montag, 11.02.2002

Karneval. Hm ja. Nette Zeit. Vielleicht erwartet der ein oder andere, daß ich hier nun was schreibe zum Thema Karneval ... ja ... das kann sein. Schreiben werde ich aber dennoch nichts dazu ... denn schreiben werde ich über etwas anderes. Schreiben werde ich von einer Sucht ... einer Sucht, die den Menschen befällt ... nichtmal heimtückisch, sie macht es mit einer derart bedrohlichen Offenheit, daß es einem Angst und Bange wird. Nein, ich rede jetzt nicht von einem Kartoffel/Tomaten/Zucchini-Auflauf und auch nicht vom Durchfahren bestimmter Regionen der Eifel, die so wunderbar kurvig sind ... und auch nicht von ganz anderen, ebenfalls kurvigen Regionen, die auf eine etwas andere Art nicht minder inspirierend erkundet werden ... nein ... ich rede von etwas ganz anderem.

Ich rede von einer ganzen Welt ... einer von vielen möglichen Welten ... sie trägt den Namen Lyonesse. Vor gar nicht langer Zeit herrschte hier noch Frieden und Einigkeit und die drei Königreiche, die diese Welt ausmachten, wurden zusammengehalten von einem großen, gemeinsamen König ... sein Name war Arthus Pendragon (als "König Arthus" auch bekannt aus Funk und Fernsehen). Arthus war es, der den Bewohnen und Wesen die hier lebten Hoffnung gab ... die Hoffnung, das Wesen, so unterschiedlich sie auch sein mochten, gemeinsam an etwas arbeiten und in Frieden vereint nebeneinander leben konnten. Aber der Schein trügte ... es war eine ruhige Zeit, aber es war auch eine Zeit, in der es nur wenig unter der Oberfläche kochte und brodelte, eine Zeit, in der Intrigen geschmiedet wurden und heimlich für eine neue Zeit gearbeitet wurde ... die Zeit nach Arthus Pendragons´ Tod ... und mit seinem Tod kam die Dunkelheit über die Welt Lyonesse. Was so lange geschwelt hatte, brach nun offen ins Freie ... das ehemals so friedliche Reich wurde überzogen von Krieg und Gewalt, und ehemals sichere Orte in freier Natur wurden mehr und mehr von seltsamen, gefährlichen Wesen bevölkert, von denen niemand so recht wusste, wo sie eigentlich herkamen.

In diese Welt (und in die beiden anderen gleich ausgelegten Welten Avalon und Stonehenge) zieht es täglich mehr und mehr Leute ... wer es noch nicht gemerkt hat, ich spreche von dem Online-Rollenspiel "Dark Age of Camelot", das seit dem 1. Februar in "Echtbetrieb" ist ... davor war es eine Weile in einer offenen Betaphase zum Austesten ... an der ich auch bereits teilgenommen habe. Es gibt drei Server für Deutschland, eben "Lyonesse", "Avalon" und "Stonehenge" ... in Summe tummeln sich dort mittlerweile zu "Hauptverkehrszeiten" um die 5.600 Leute ... eine stolze Zahl, noch höher als in der Beta, wo es auf zwei Servern ungefähr 3.400 waren. In Dark Age of Camelot entscheidet man sich für eins der konkurrierenden Reiche ... Albion ist das Reich, aus dem Arthus stammte ... hier findet man immer noch die stärkste Bindung an das, was er versucht hat, vorzuleben ... wenngleich die Mittel, die zur Erreichung verwendet werden, sich etwas gewandelt haben ... die Einigung der unterschiedlichen Reiche ist nach wie vor angestrebt, aber doch eher in einem erzwungenen Rahmen und mit Waffengewalt. Albion wird nur von unterschiedlichen menschlichen Rassen besiedelt und spielt optisch in einem typischen englischen Mittelalterszenario. Das zweite Reich ist Midgard, es ist das wohl kriegerischste und rauheste Reich ... hier zählt einzig und allein das Recht des stärkeren. Bevölkert wird es von mächtigen Trolls, von Zwergen, Goblins und den Wikingern, der einzigen menschlichen Rasse dieses Reiches. Optisch ist Midgard am mittelalterlichen Skandinavien orientiert, Drachenboote, Wikingerdörfer, Schnee, undurchdringbare Nadelbaumwälder. Das letzte Reich ist Hibernia, in dem Magie eine stärkere Rolle spielt als in den anderen Reichen. Hier gibt es die Firbolgs, recht große, fast riesenhafte Wesen, mit Trollen vergleichbar, Luriken (kleine geschickte Wesen, fast wie Halblinge), Elfen (die magiebegabtesten und wohl geheimnisvollsten Wesen in Hibernia) und die menschlichen Kelten. Hibernia hat eine starke Anlehnung an die Natur, die Landschaft erinnert an Irland, im ganzen wohl das fantasy-lastigste Reich.

Es ist erstaunlich, was da für Schicksale hinter den einzelnen Spielern stecken und was das Spiel aus den Menschen so macht ... da ist beispielsweise das Pärchen, das momentan leider nur einen PC hat, der zweite ist wohl abgeraucht ... und wo es nun einen ständigen Disput gibt, wer nun spielen darf, denn beide sind süchtig ... de facto läuft es nun so ab, daß sie spielt, wenn er nicht da ist oder schlafen geht, und er spielt, wenn er da ist und wach oder so ;-) ... oder der Mensch, der sich nach Release gleichmal eine Woche frei genommen hat, um ja nichts zu verpassen und mittlerweile auf Level 21 oder so ist und jammert, daß er nun wieder arbeiten muß und ja gar nicht mehr vorankommen kann dann ... oder der nette Firbolg gestern, der um halb 2 nachts meinte, er müsse nun ins Bett, seine Freundin fände nun doch es würde reichen und es gäbe ja nun nicht nur dieses Spiel ... oder das ständige Auseinanderbrechen von Abenteuergruppen zwischen 0 und 1 Uhr morgens, wenn die einen eben doch mal ins Bett müssen, weil sie früh am Morgen raus zur Arbeit müssen, und die anderen eben weitermachen, weil sie eben nicht arbeiten müssen oder es ihnen irgendwie egal ist ... schöner Kommentar gestern von einer Elfin "gut, daß ich studiere" mit einem hämischen Grinsen am Satzende ;-). Hmja ... die ersten sind in dieser doch recht kurzen Zeit (anderthalb Wochen gerade mal) in Level 28 vorgestossen ... Gerüchten zufolge soll es sogar einen Level 37 geben in Midgard ... keine Ahnung, wie er das hinbekommen hat, vermutlich wirklich nonstop gespielt. Ich habe es mittlerweile - in 80 Stunden reiner Spielzeit - auf Level 16 gebracht ... man kann sich gut vorstellen, wieviel Zeit neben der Arbeit da noch für anderes bleibt ... schlimm ... ich spiele übrigens auf Lyonesse und für Hibernia ... wenn jemand DAoC spielt und da einen Waldläufer namens Sillian trifft, bin ich das ;-).

So ... und nun ein paar Screenshots zum Thema ...
 

Die Hauptstadt Hibernias "Tir Na Nog" im Regen ... bzw. der Eingang zu dieser Stadt ...
Der Einganz zu Tir Na Nog wenn es mal nicht regnet 
(und es regnet irgendwie oft in Hibernia, daher ist wohl auch alles so grün  ;-))
Die eigentlich Stadt liegt in einem Berg ... man geht zuerst durch den Eingang, dann eine Weile durch 
einen Stollen und dann kommt man an ein Tor, dem eigentlichen Eingang zur Stadt ... den man 
hier sehen kann :-).
Tja ... ein Blick in die Stadt bei strahlendem Sonnenschein ...
Sonnenuntergang irgendwo südlich von Connla ;-)
Sonnenaufgang ... irgendwo hinter mir liegt der Eingang zu Muires Tomb, einer Grabstädte, in 
der nun Untote ihr Unwesen treiben ...
Muires Tomb, direkt am Eingang ... sicher ist sicher ... auf den Treppen stehe ich 
mit meinem Bogen, während unten einer der Nahkämpfer unserer Gruppe einer riesigen 
Kryptspinne zusetzt ...