Sonntag, 26.01.2003

"I had the carburetor cleaned and checked
with her line blown out she's hummin' like a turbojet.
Propped her up in the backyard on concrete blocks
for a new clutch plate and a new set of shocks.

Took her down to the carwash check the plugs and points
I'm goin' out tonight I'm gonna rock that joint."
(Open all night/Bruce Springsteen)

Jülich. Sonntag, 19.01.2003, 09:00 Uhr früh. Joah ich weiß daß es schon eine Woche her ist ... ich habe nie behauptet mein Tagebuch wäre zeitnah ;-). Der Silberfuchs ist beim Verkehrssicherheitstraining. Gemeinsam mit mehreren Kollegen. Unter anderem David "der Azubi".  Wenn sowas schonmal angeboten wird macht man es schließlich zusammen, das steigert das Kultniveau ;-). Hm irgendwie merk ich gerade daß das wieder so ein Eintrag wird wo ich nicht so recht weiß was ich nun schreiben soll und wie. Aber egal. Ich denke, ich werde mich wie üblich tapfer und wacker schlagen. Ehrlich ;-).

Der Trainer meint anfangs, man solle besser dicke, gefütterte Jacken fürs Autofahren ausziehen. Sie schränken die Bewegungsfähigkeit zu sehr ein. Ich fühl mich da direkt angesprochen, denn da es richtig schön kalt ist, habe ich mir meine gute Irvin-Lammfelljacke angezogen, und die ist nunmal richtig schön dick. Manchmal denke ich sogar, daß eine ganze Schafherde dafür ihr Fell hat lassen müssen. Zumindest weiß ich seit ich mit ihr Auto fahre, wie sich wohl die Spitfire-Piloten im Winter gefühlt haben müssen, wenn sie im Cockpit saßen ... und warum die Spitfires Rückspiegel auf der Cockpithaube hatten ... sich im Sitz umzudrehen wird da zur völlig neuen Erfahrung, selbst das Anschnallen bekommt etwas zeremonielles, das nicht mal ebenso nebenbei passieren kann. Die Royal Air Force hatte damals wohl ihre ganz eigenen Anforderungen an Fliegerjacken ... sie mussten einen auf ein paar Kilometern Höhe warmhalten, der Rest ergibt sich schon irgendwie ... und spätestens wenn eine Messerschmitt auf einen eingekurvt war, konnte wohl keine Jacke der Welt den Piloten daran hindern, sich zu bewegen ;-). Nungut, der Trainer meint also, man sollte sie beim Fahren besser ausziehen ... diese dicken Jacken ... dem Aufruf folgen dann auch erstmal alle Anwesenden (ich eingeschlossen), aber da das normale Training immer aus einem Teil Fahren besteht und einem Teil draußen stehen und sich anschauen was die anderen mit ihren Autos anstellen und es nunmal ungemein kalt ist draußen (knapp über Gefrierpunkt wenn ich mich recht erinner) würde das zu einem ständig An- und Ausziehen führen ... was einerseits gut für die körperliche Ertüchtigung  aber dennoch nicht in meinem Sinne ist ... weshalb ich nach dem ersten Ausziehen die Jacke dann später doch lieber anlasse.

Der Verkehrsübungsplatz teilt sich auf in zwei Bereiche ... der eine dient wirklich zum Verkehrstraining, da sind dann ein paar "Straßen" samt Straßenschilder plaziert, Vorfahrt achten, Stoppschild usw. ... außerdem kann man da einparken üben und ähnliches. Der andere Bereich liegt daneben und ist der Teil, wo wir unser Training absolvieren ... das hat wenig mit Schildern und Vorfahrt zu tun, sondern mehr damit, sein Auto besser kennenzulernen, zu sehen, wie es sich im Grenzbereich verhält und sich dann richtig zu verhalten. Irgendwie denke ich sind Verkehrsübungsplätze auch Orte, an denen menschliche Schicksale auf besonders tragische Weise zu beobachten sind. Nee, das ist nun doch zu dramatisch formuliert, ich geb es zu. Aber ich denk da an dieses blonde, vielleicht achtzehnjährige Mädchen in ihrem etwas älteren weissen Nissan Micra ... vermutlich hat die ganze Familie zusammengelegt, um der Tochter zum Führerschein oder Geburtstag oder was auch immer das Auto zu schenken. Joah. Und dann fährt eben die ganze Familie auch mit zum Verkehrstraining, sie will ja sehen was die Tochter nun alles kann ... vorne als Beifahrer der zweifelsohne gut genährte Vater, auf der Rückbank Mutter und Oma und kleinere Schwester ... uah, also seit letztem Sonntag ist der Nissan Micra für mich die radikalste Form des Minivans ... mit 5 Leuten in diesem Kleinstwagen, da möchte ich nicht tauschen. Mal ganz abgesehen davon, daß mir das Mädchen schon was leidgetan hat ... kann mir nicht vorstellen, daß man mit der ganzen schnatternden und Ratschläge erteilenden Familie auf kleinstem Platz zusammengepfercht wirklich konzentriert und entspannt üben kann. Naja, was solls. Oder der Renault-Clio-Fahrer, der sich minutenlang genau in die Mitte neben zwei Parklücken stellt, offensichtlich überlegend, ob er nun rückwärts in die hintere oder vorwärts in die vordere einparken soll. Tja ... ich weiß das aus Erfahrung, wir Renault-Fahrer haben nunmal immer Optionen, da fallen Entscheidungen schonmal schwer ;-). Oder die kleine Koreanerin in ihrem roten Corsa, die ganz klein und scheu hinter dem Lenkrad saß und gar nicht so richtig wusste wo sie nun hinsollte. Oder die Clique, die den Hauptteil ihrer Zeit damit verbrachten, den weissen Kombi im Kreis anzuschieben. Jaaa, da wird einem richtig warm, etwas Bewegung schadet nie.

Aber zurück zu unserem Teil des Trainings ... der bestand aus ganz anderen Dingen. Glücklicherweise hat der Trainer vom Verkehrssicherheits-Team ein paar schöne Fotos gemacht, anhand derer ich mal ein wenig erzählen kann, was so alles gemacht wurde :-).

Da waren zum Beispiel die lustigen Vollbremsungen ... im Alltag legt man ja doch selten mal eine Vollbremsung hin. Gut, man hat schonmal gemerkt wie ABS greift, aber es gibt auch da noch Unterschiede ;-). Interessant auch das Verhalten auf unterschiedlichen Belägen ... nasser Aspahlt, nasse Gummimatte oder auf der einen Seite nasser Asphalt und auf der anderen nasses Gummi ... letzteres für ABS kein Problem ... ohne ABS allerdings ein Garant für eine wunderschön unkontrollierte Pirouette ;-).

Ausweichtraining ... durch eine markierte Gasse, Bremsen und auf der Bremse am Hindernis vorbei ... auch hier die Erkenntnis das ABS was feines ist ... das Ganze dann mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, unterschiedlichen Belägen, mal links vorbei, mal rechts vorbei, oder auch nach dem Hindernisausweichen direkt zurück auf die ursprüngliche Fahrbahn, da Gegenverkehr kommt ... später dann auch ohne Bremsen ... lustig, mit 55 Sachen auf klatschnassem Gummi ohne Bremsen ausweichen, da lernt man ein gutes Fahrwerk zu schätzen ... und bei den Temperaturen auch frische Winterreifen ;-).

Jülich, 11 Uhr vormittags ... die Straße ist naß ... perfekter Halt ... 3 Wetter Taft ;-). Interessant war auch der Slalom mit möglichst hoher Geschwindigkeit und Beifahrer ... einmal normal, einmal mit gleichzeitigem lauten Lösen einer Aufgabe ... etwa von 900 in 7er Schritten rückwärts zählen oder das Alphabet rückwärts aufsagen ... da kommt Freude auf und da sieht man, daß der Mensch alles andere als multitaskingfähig ist ... kleiner Hinweis an die, die immer noch beim Fahren telefonieren oder die Beifahrer, die einem in unübersichtlichen Situationen noch ein kleines Gespräch aufzwängen wollen ;-).

Unser David im Kreis ... hier ging es darum, im Kreis fahrend bewusst an die Haftungsgrenzen zu kommen ... David entschließt sich hier zu einer kleinen Querfeldein-Einlage und hinterlässt für die nachfolgenden Bilder eine Markierung der optimalen Abkürzung ;-).

Renault, Créateur d'Automobiles ... oder sollte ich besser sagen Generation Lurch ? ;-)

Also, mal ernsthaft ... wenn jemandem von euch die Gelegenheit geboten wird, an so einem Verkehrstraining teilzunehmen, nutzt sie. Ich hatte vor Jahren schonmal eins, aber mit einem anderen Wagen (ein 76er Mercedes liegt doch etwas anders als mein Lurch ;-)) ... es lohnt sich, man lernt ohne Risiken die Grenzen des Autos kennen, lernt, wie es in Extremsituationen reagiert, worauf man achten und was man tunlichst unterlassen sollte ... es ist immer besser, sowas zu wissen bevor man wirklich im Straßenverkehr in die Situation reinkommt. Neben der Fahrpraxis gibt es eine Reihe theoretischer Überlegungen und grundsätzliche Punkte zur Fahrphysik werden aufgezeigt. Gut investierte Zeit also ... und Zeit die einen Höllenspaß macht ;-).