Montag, 28.04.2003

"You're looking up at a mountain
Between you and the outside
But there isn't a mountain in this whole world
Hasn't been climbed ..."
(Holloway Girl / Marillion)

Öcher Bend. Die etwas größere Kirmes, die zweimal im Jahr in Aachen stattfindet. Auf dem Bendplatz. Die Kirmes, die den guten Adrian erst besonders spät von der Arbeit nach Hause fahren lässt (so mitternachtsmäßig) ... weil er in unmittelbarer Nähe wohnt und vorher keinen Parkplatz findet. Seltsam. Dieses Jahr war weniger los als ich erwartet habe. Sie war gut besucht, sicherlich, aber nicht unangenehm überfüllt ... nicht so, daß man sich durch Menschenmassen wühlen musste, um irgendwohin zu kommen. Eigentlich angenehm so ... aber auch ein stückweit verwunderlich ... zumindest für mich. Aber egal. Ich möchte nicht übers Publikum schreiben heute ... nicht über Leute die da waren oder die fehlten ... wozu auch. Interessant finde ich nur irgendwie den Weg, den sich das was man gemeinhin "Kirmes" nennt so lang entwickelt ... die Attraktionen. Wenn ich so zurückdenke an meine Kindheit ... weiß nicht, da war eine Raupenbahn noch eine Attraktion. Heute werden vermutlich viele, die den Altersdurchschnitt der Besucher ausmachen, gar nicht mehr wissen, was das ist ... dieses vergleichbar gemütliche Teil, das sich im Kreis bewegte, immer schneller wurde und wenn es dann am schnellsten war (in den letzten zwei Runden oder so) eine Tuchabdeckung über die Mitfahrer zog ... wie eine Raupe halt. Joah ... Raupenbahn hab ich keine gesehen dieses Jahr. Geisterbahn ... damals sowas wie ein Publikumsmagnet ... gibt es heute nicht mehr. Dafür gibt es so einen Jurassic Park-Verschnitt ... der wohl dasselbe darstellen soll ... aber Skelette und Mumien sind nicht mehr zeitgemäß ... es müssen eben Dinos, ein T'Rex oder irgendwas anderes spektakuläres hin. Auch nichts zu sehen war von den Steilewandfahrern ... die mit ihren Motorrädern senkrecht durch diese Holztrichter jagten, teilweise drei Fahrer gleichzeitig auf engstem Raum. Meistens fuhren sie Indians ... diese genialen älteren roten Motorräder mit dem Häuptlingskopf auf dem Tank ... oder Triumph. Nicht mehr zeitgemäß heute.

Gut, das ein oder andere vertraute war auch noch zu sehen ... Autoscooter (in Formel 1 Aufmachung), Schießstände mit den bekannt verzogenen Gewehren, Losbuden, Riesenrad, "Fressstände", Kinderkarussell, eine Art Go-kart-Bahn. Vermutlich wird es sowas immer geben. Aber die Highlights, die Effekthascher, die einem die Augen weiten, sie werden immer spektakulärer ... hier geht es mehr und mehr darum, den Menschen an die Grenzen zu bringen ... an die Grenzen der Belastbarkeit. Denn mit wirklichem Spaß hat das ein oder andere nichts mehr zu tun ... zumindest nach den ersten Runden ... vermutlich geht es den meisten mehr darum, es mal erlebt zu haben, sagen zu können "uih, da war ich drauf, ist klasse", oder schmunzelnd zu sich selbst nach dem Aussteigen sagen zu können "joah Junge Du hast es überstanden, alles wird gut, in einer halben Stunde hat sich auch der Blutfluß wieder irgendwie normalisiert". Die Achterbahn ist inzwischen fast schon zur lauen Mittelklasse verkommen.

Große Attraktion dieses Jahr (zumindest aus meiner Sicht) war ein Teil, daß sich "Eclipse" nennt ... und damit ist jetzt nicht die Java Entwicklungsumgebung gemeint, die diesen Namen als kleinen Seitenhieb auf Sun Microsystems trägt, sondern ein eigenartiges Fahrinstrument, auf dem 8 Leute mitfahren können ... naja, was man so mitfahren nennt. Sie sitzen in 2 Reihen à 4 Rücken an Rücken im Fahrgastabteil eines an eine Vertikalzentrifuge erinnernden Teils, das sich wohl im professionellen Sprachgebrauch "Capriolo-Loopingkarussell" nennt. Joah ... erinnert ein wenig an eine Schaukel, nur das die Mitfahrer eben am Ende eines dicken und sehr langen Stahlträgers sitzen, der noch zusätzlich beschleunigt wird und eben Loopings möglich sind. Der höchste Punkt ist bei 48m erreicht. Soweit, so gut. Wenn man unten steht und sich das Schauspiel man zu gemüte führt, spürt man schon allein vom Zusehen, daß da bis zu 4g Querbeschleunigung aufgebaut werden ... wie es auch auf dem großen Schild vorne verheissen wird. 4g ... Achterbahnen die das erreichen muß man wohl weltweit schon suchen. Ich denkemal die meisten die man so sieht schaffen gerademal 2 bis 2,5 g. Und die brauchen demensprechend auch nicht diese ganzen Hinweise unter der 4g-Versprechung, die einem näher bringen, wann man denn doch besser nicht auf die Idee kommen sollte, sich für eine Fahrt reinzusetzen. Probleme mit der Wirbelsäule sind ungünstig, Bandscheibenprobleme, Bluthochdruck, allgemeine Herzprobleme, unter 1,40m darf man nicht sein, keine losen Sachen bei sich tragen, nur festgeschnürte Schuhe (keine Slipper oder sowas) ... joah ... Hände oder Beine darf man nicht von sich strecken, alles nah am Körper halten, damit da nicht irgendwas vor lauter Krafteinwirkung mit voller Wucht irgendwohin gerät wo gerade ein anderer sitzt. Naja gut, lässt man sich dadurch abschrecken ?

Ich muß sagen, daß ich doch schon eine ganze Weile nachdenken musste, raufzugehen ... es reizte mich, aber so ganz koscher war es mir nicht. Wir waren zu sechst da, haben uns was die Leute angeschaut die draufgingen und wie sie aussahen wenn sie wieder runterkamen, na gut, und dann haben David und ich uns eben gesagt, das tun wir uns nun auch mal an, während vom ein oder anderen sonst doch ein recht deutliches Kopfschütteln kam. Nuja ... solange es sich nicht um mehrere Achsen gleichzeitig dreht kann ich schon das ein oder andere überstehen ... eine gesunde Skepsis war bei mir aber dennoch da, als ich dann drinnen saß und es noch nicht losgegangen war. Der Hinweis, daß man die Arme beim Körper behalten sollte, war wohl unnötig. Man war durch einen richtig stabilen Kunststofftorso von oben runter dermaßen straff fixiert, daß man eh nur sitzen konnte, und saß auch so eng beisammen, daß an Bewegung ohnehin nicht zu denken war. Tja ... und dann ging es auch schon los ... einmal etwas "anschaukeln", wie ich es wohl bezeichnen könnte, kleine Einstimmung auf das, was da kommt, wohl auch nötig, um den Schwung aufzubauen, joah, ein heiteres "hossa, ist ja geil" irrt als Lächeln über die Lippen, weil es doch schon hier spürbar herzhafter zur Sache geht, als es in dem "Euro-Coaster"-Teil vorher der Fall war ... und dann geht es höcher und es kommt der erste Looping und man merkt unvermittelt, wo man da eigentlich drinnen sitzt. Lustig, ich dachte eigentlich, durch diesen von oben drübergestülpten Kunststofftorso wirklich fest auf dem Sitz fixiert zu sein ... und ich meine wirklich fest ... und stattdessen merk ich auf einmal recht deutlich, das mein Allerwertester den Kontakt zum Sitz verliert und ich dafür oben fest in den Torso gepresst werde ... interessant, wenn dann das vierfache der Erdanziehungskraft plötzlich von der anderen Seite wirkt.

Nunja ... jedenfalls war Eclipse gut geeignet, um mir kurz und knapp den kompletten Zyklus des An-die-Grenzen-gehens zu vermitteln ... die anfängliche Begeisterung, dann die ersten Eindrücke wirklicher Belastung und dann so nach 2 oder 3 Umkreisungen doch der Eindruck, daß der menschliche Körper nicht wirklich dauerhaft für solche Kräfte ausgelegt ist und man überdeutlich die Belastung spürt, die auf einen wirkt. Besonders lustig sind die Stopps, die das Gerät teilweise auf höchster Stelle einlegt ... man ist mit voller Geschwindigkeit hochgewuchtet worden, wird dann abgebremst, schaut erst in den Himmel, sieht sonst nix ... und dann dreht die Kabine langsam und man schaut aus knapp 50 Meter runter ... verharrend. Man weiß nicht, ob es nun nach vorne runtergeht oder nach hinten ... wechselt sich ja ab ... mal geht die eine Viererreihe vorne runter (und die andere somit hinten), mal ist es umgekehrt ... joah ... und dann aus 48m quasi ungebremst mit vollem Schwung runter und wieder rauf. Interessant daß man sogar merkt wie sich dabei ein wenig die Gesichtszüge verzerren. Wenn man nicht aufpasst knallt man da auch schonmal mit dem Kopf ein wenig an die Lehne hinten ;-) ... eigentlich sollte man den Kopf eh fest anlehnen stand auf dem Schild ... aber das hab ich eh erst danach gelesen ;-). Achja ... zum Thema Zyklus ... die Fahrtdauer ist wirklich recht optimal ausgelegt ... länger sollte es nämlich nicht gehen ... ich für meinen Teil war zugegebenermaßen doch froh als es beendet war ... wie wohl der Großteil wenn nicht gar alle Mitfahrenden. Ein Erlebnis, sicherlich, aber definitiv nichts was man sich zweimal hintereinander antut ... im Gegensatz zu einigen Achterbahnen :-). Joah ... danach wird denk ich mal auch keiner ernsthaft an Essen gedacht haben. Achso ... und noch ein Tipp zum Thema Essen am Rande ... wer auf die Idee kommt, mit einem Käsekräuter-Crêpes nicht sattzuwerden und sich daher gleichmal zwei kauft, sollte sich darauf gefasst machen, zuviel des Guten getan zu haben ;-).

Achso ... hab mal im Internet gesucht .. Bilder zu Eclipse gibt es hier:

 Etwas mehr Eindrücke von Eclipse