Donnerstag, 10.06.2004

Sonnenuntergang

"Far beyond the sun
Across the western sky

Reach into the blackness
Find a silver line

In a voice I whisper
A candle in the night

We'll carry all our dreams
In a single beam of light"
(Master of the Wind / Manowar)

Es ist immer wieder verblüffend, wie begrenzt doch auch heute noch die Möglichkeiten der Technik sind. Nehmen wir die Fotografie als Beispiel. Ich glaube es war vorigen Montag, als ich nach 21:00 draußen saß, die noch vorhandene Wärme des Abends genoß und wahrnahm, was für ein genialer Himmel doch gerade zu sehen war, der vom bevorstehenden Sonnenuntergang kündete. Eine gute Gelegenheit, ein paar Bilder zu machen, dachte ich mir. Also rein, Kamera geholt, und wieder raus. Hm joah, nur so wirklich freie Sicht auf die Sonne hat man von hier leider nicht ... also wieder rein, Schuhe angezogen, meinen treuen Lurchi aus der Garage geholt und los, irgendeinen Platz suchen, wo man vernünftige Bilder machen kann. Ein Sonnenuntergang ist aber - wie die meisten vermutlich wissen - etwas, was sich sehr schnell vollzieht, wenn es denn mal begonnen hat ... sprich: er wartet nicht wirklich auf einen. Gut, ein halbwegs geeigneter Platz war schnell gefunden, Lurch geparkt und los ging es, Sonne natürlich schon fast unten. Und dann steht man da, denkt sich "Mein Gott, was für ein Panorama", sieht die in der Ferne untergehende Sonne und das Licht, daß sie auf die vorhandenen Wolken wirkt, während langsam auch erste Anzeichen der nahenden Dunkelheit zu erkennen sind - ein wunderbarer Kontrast. Ein Bauer fährt langsam mit seinem Traktor vom Feld, hat offensichtlich sein Pensum für den Tag verrichtet, und freut sich nun auf seinen Feierabend. Man fotografiert, macht ein paar Bilder aus verschiedenen Perspektiven ... viel experimentieren geht allerdings nicht mehr, denn die Sonne rutscht zügig Stück für Stück tiefer.

Zuhause läd man dann die Bilder runter und irgendwie ist das Ergebnis doch etwas ernüchternd, wenn man wenige Minuten zuvor das abgelichtete live erlebt hat, also da war. Irgendwie hat man es gerademal geschafft, ein Bruchstück dessen einzufangen, was wirklich da war, das Bild wirkt seltsam beschnitten, wenn man noch die eigentliche Wirkung vor Augen hat, und selbst bei dem, was abgelichtet ist, scheint es so, als hätte die Kamera so ihre liebe Mühe damit gehabt, die Farbenpracht des Augenblicks wirklich einzufangen ... also hätte sie ein stückweit passen müssen und wollte nun sagen "Du, tut mir leid, ich hab mich bemüht, aber was ich da fotografieren sollte, war einfach zu viel für mich, das übersteigt meine bescheidenen Fähigkeiten". Und so sitzt man da, denkt sich "hey, schönes Bild trotzdem", und im Hinterkopf denkt man sich, wie schön es doch gewesen wäre, hätte man den Moment genauso einfangen können, wie er gemeint war.

Nun, wer weiß, welchen Weg die technische Entwicklung noch nehmen wird. Vielleicht wird es irgendwann in einiger Zukunft (die ich wohl nicht mehr erleben werde) die Möglichkeit geben, den Sinneseindruck genau so aufzunehmen, wie man ihn erlebt hat ... das Bild, das man gerade im Gehirn wahrnimmt, die Geräusche dazu und den Geruch. Das wäre etwas ... sich später so eine Momentaufnahme durch eine neurale Schnittstelle (wie sie vielleicht jemand aus Shadowrun kennt) direkt in die Gehirngänge einzuspeisen, sie so zu erleben wie sie der Fotograf erlebt hat. Man stelle sich das mal vor ... man nimmt zum Beispiel einfach eine Autofahrt auf, an einem schönen, sonnigen Tag, mit guter Musik über leere Landstraßen, vorbei an der Natur, den farben, ohne Hektik, ohne Streß, die frische Luft geniessen, und kann die Fahrt dann zumindest vom Sinneserlebnis für sich immer wiederholen, sich erinnern an all das, was man damals schon einmal wahrgenommen hat. Tja ... in ferner Zukunft, vielleicht, und sicher ohne mich.

Aber noch etwas anderes zum Thema Zukunft, Technik und Science Fiction ... gerade denke ich an etwas, was ich als Kind oder Jugendlicher mal in einem Raumfahrtbuch gelesen habe ... es war so im Stil von "Was ist Was", also keine epochale Lektüre, mehr so eine Zusammenfassung von Wissenswertem zu einem Thema und so präsentiert, daß es einem jungen Leser zusagt und gefällt. Wie auch immer, eins habe ich nicht vergessen: Da stand etwas davon, daß es irgendwann einmal "Wissenssatelliten" geben würde ... Satelliten, von denen das gesammelte Wissen der Menschheit abrufbar wäre. Jeder auf der Erde hätte dann eine Art Comlink zum Senden und Empfangen von Informationen und könnte diese Satelliten jederzeit anzapfen ... es wären die Bibliotheken der Zukunft, Wissen quasi auf Knopfdruck, ohne irgendwohin fahren zu müssen, ohne groß recherchieren zu müssen, wer etwas darüber geschrieben haben und wo man die gewünschten Informationen finden könnte. Warum ich das erzähle ? Nun, in gewissem Sinne hat das, was ich damals in diesem Büchlein gelesen habe, bereits Einzug gehalten ... ich meine damit das Internet. Wenn man heute etwas nicht weiß oder Informationen sucht, schwupps, google an, Suche einigermaßen vernünftig präzisiert und man hat die Informationen die man braucht, zumindest in der Großzahl der Fälle. Schon verrückt wie die Zeit fortschreitet und alles näher zusammenwächst.