Sonntag, 04.07.2004



"Und alles was ist dauert drei Sekunden
Eine für vorher
Eine für nachher
Eine für mittendrin ...
"
(Sonnendeck / Zwei-Raum-Wohnung)

Was veranlasst Menschen eigentlich, sich unter gewissen Umständen spontan zuzuwinken und zuzurufen ? Ich meine wildfremden Leuten ... Leuten, die man nicht kennt, von denen man nicht weiß, wie alt sie sind, woher sie kommen, wohin sie wollen ? Normal begegnet man täglich x Leuten, die man nicht kennt. Nur selten grüsst man mal einen. Warum auch ? Was hat man groß mit den anderen zu tun ? In Deutschland bleibt man nun mal tendentiell lieber unter sich. Und dann gibt es Augenblicke wo es aus irgendwelchen Gründen das natürlichste der Welt ist. Da fährt quasi ein Heißluftballon in fast schon greifbarer Höhe über einen hinweg, man sieht nichtmal wirklich genau, wer da alles drinnen sitzt, nur ein fröhliches, lautes Rufen. "Huuuhuuu ... Huuuuhuuuuuu ... Huuuuhuuuuuu". Und man winkt und ruft und sie winken und rufen und sie treiben weiter dahin, über die Bäume und Häuser hinweg, wohin der Wind sie auch immer bringen mag.

Gleiches Thema, anderes Beispiel, was auch bestimmt der ein oder andere kennt ... man fährt mit dem Auto durch die Gegend, jemand kommt einem entgegen, der das gleiche Auto fährt ... man schaut kurz, lächelt, und man grüsst. Ich habe das besonders in der Anfangszeit kennengelernt mit dem ersten Lurch. Interessanterweise aber auch nur bei Fahrern und Fahrerinnen, die einen gelben fuhren ... dafür war es bei denen egal, ob sie im Cabrio oder Coupe saßen.

Vielleicht liegt es daran, daß einem diese Leute auf den zweiten Blickvielleicht doch nicht so unbekannt und fremd sind ... weil es etwas gemeinsames gibt, etwas verbindendes, was man in einem kurzen Augenblick entdeckt. Sei es die Schönheit des Gedankens, in einem Ballon langsam und ruhig in den Sonnenunterg zu fahren oder der Bewegggrund, sich gerade dieses eine Auto in genau dieser Farbe gekauft zu haben und nicht ein anderes. Vielleicht ist es einfach die Tatsache, daß wir Menschen, und zwar egal wer wem gegenübersteht und wie unterschiedlich wir uns erscheinen mögen,  uns einfach nicht so fremd und unbekannt sind, sondern daß man - wenn man nur genau hinschaut - letztlich immer so viel von sich selbst im anderen erkennt ...