Montag, 20.09.2004

"Just close your eyes and then remember
The thoughts you've locked away
When tomorrow comes you'll wish
You had today ..."
(Since Yesterday / Strawberry Switchblade)

Leben hat immer viel mit Geschmack zu tun. Den Geschmack des Lebens zu spüren auf der Zunge, das Leben schmecken. Das Leben ist letztlich eine Mahlzeit - eine Mahlzeit, die man selbst zubereitet hat. Im Endeffekt ist (und ich schreibe bewusst 'ist' und nicht etwa 'isst') man sein ganzes Leben überwiegend das, was man sich selber zusammengekocht hat mit dem, was so gerade an Zutaten im Kühlschrank oder wo auch immer war. Ein Kühlschrank kann recht leer sein oder auch gut gefüllt. Und wenn man sich Zeit nimmt, kann man einkaufen gehen. Man kann bewährtes kaufen oder schonmal was neues ausprobieren. Man kann auch zuhause auf den Bofrost-Mann warten. Man kann Vegetarier oder sogar Veganer sein (schreibt man das so ?) oder der Fleischeslust fröhnen. Man kann Mozarella lieben oder nicht. Manchmal ist man auch gegen was allergisch. Gegen Milchprodukte. Oder Weizenkleie. Oder Hühner-Frikassee. Letztlich zählt das Gericht, das am Ende rauskommt ... es muß einem eben irgendwie schmecken, und man kann nicht immer nur sagen "der Hunger treibt es rein". Und das "einem" ist in diesem Zusammenhang das entscheidende Wort ... es muß einem selbst schmecken, nicht wem anders, klar, man kann noch wen zum Essen einladen, wenn man zuviel gekocht hat, oder man kann mit anderen gemeinsam was Kochen, auch ok, aber letztlich muß man es ja selbst essen. Der Guide Michelin kann einem 5 Sterne verleihen, wenn es einem selbst nicht schmeckt, ist es belanglos.

Labbrige, geschmacklose Pampe hinterlässt einen seltsam unbefriedigt, wenn man sie überhaupt zu Ende ist und nicht schon vorher den Teller zur Seite schiebt. Bei jemand anders beklagen kann man sich nicht, man hat es selbst zubereitet. Aber es gibt ja auch nicht jeder gern offen zu, daß er nicht kochen kann. Und wenn andere beteiligt waren, ok, man hat es sich so ausgesucht ... man hätte es ja auch alleine machen können. außerdem ... wenn es nicht schmeckt, muß man es ja nicht zwangsweise runterwürgen. Dem Wetter am nächsten Tag ist es egal, ob man schön brav die Suppe auslöffelt, die man sich eingebrockt hat, oder ob man sie wegschüttet. Denn wenn man Hunger hat, kann man immer noch was anderes versuchen. Schnittchen oder so. Oder eine 5 Minuten Terrine. Oder Obst. Ist eh gesünder. Da kann man nicht viel falsch machen ... geschmacklich allerdings auch nicht wirklich viel gewinnen ... aber Geschmäcker sind verschieden. Dem einen schmeckts, dem anderen nicht. Vielleicht isst man es ja auch nur, weil es gerade in ist ... obwohl es einem weder schmeckt noch einen satt macht. Der eine mags indisch, der andere chinesisch, italienisch oder auch französisch. Oder gutbürgerlich. Manchmal bleibt die Küche auch kalt. Der eine würzt stärker, der andere nicht. Curry ist ein leckeres Gewürz. Manchmal verbäckt was oder brennt an, auch wenn es noch so gut gemeint war. Manchmal gelingt einem auch mal was experimentelles richtig gut. Manchmal fühlt man sich wie ein verkappter Paul Bocuse. Und manchmal hat man es anschließend trotzdem am Magen, so lecker es auch war.

Ja, so ist das mit dem Leben. Geschmack, Hunger, ein paar Zutaten, ein gutes Kochbuch, Improvisationstalent. Was draus machen eben. Was schmeckt.

Leben im kulinarischen Grenzbereich.