Dienstag, 12.10.2004

"Maybe somewhere down the road aways
You’ll think of me, and wonder where I am these days
Maybe somewhere down the road when somebody plays
Purple haze"
(End of the Line / Travelling Wilburys)

"Der Merz hört auf." meint meine Mutter.
Aber irgendwie bin ich angesichts des reichlich diesig-trüben Tages noch nicht wirklich bei mir und interpretiere das Gesagte als "März".
"Der März hört auf" ... das ist ja mal eine Neuigkeit ... und so frage ich mich an meinen Geburtstag denkend instinktiv "Und was kommt dann nach dem Februar" ?  Ich schaue in ein seltsam verwirrt-fragendes Gesicht. Dann wird mir klar, daß Monate nicht einfach aufhören können. Sicher, auch sie stehen im öffentlichen Leben. Und was haben sie manchmal zu leiden. Bestimmt haben sie es manchmal richtig dicke. Ich frag mich wohl, wie das wäre, wenn der November einfach mal sagen würde "Nee Leute, ich hab das satt, alle mosern nur an mir rum, wiwiwiwiwi zuviel Regen wiwiwiwiwi zu uzzlig, ich brauch das nicht, macht euch euren Spätherbst doch selbst". Aber an sowas denken die Leute nicht, die achtlos sowas sagen. Oder der Juli ... diese ewigen Vergleich mit Vorjahren ... "Jaaaa voriges Jahr gab es da so und soviel Sonnentage, und davor soviel, und dieses Jahr *grmbl als Unterton reindenken*" ... ich meine was kann der Juli dafür, daß er die Sonne nach all den Jahren noch immer nicht richtig im Griff hat ? Das die eh immer macht was sie will, diese kleine Feuerzicke ? Wobei, ist ja gar nicht die Sonne ... die scheint eh. Wenn man sich für die nächsten paar Millionen Jahre noch auf was verlassen kann, dann darauf, daß die Sonne scheint.

Die Sonne ist verlässlich. Eine Art Buchhalterseele des Universums. Kein guter Vergleich, ich weiß es, passt einfach nicht, aber ich mach ihn trotzdem. Mein Deutschlehrer sagte früher immer "Man kann alles vergleichen, man findet halt nur nicht unbedingt Gemeinsamkeiten." Recht hat er und von diesem Recht mache ich seit langem schonungslos Gebrauch.  Zum Thema Sonne zurück, nein, es sind die blöd unselbständigen und fremdbeeinflussten Wolken, die sich ständig vom Wind vollquatschen lassen ... "Zieh doch dahin oder dahin, da geht es Dir viel besser, da über Nordrhein-Westfalen soll man als Wolke klasse leben können, und Du kannst da Wasser lassen soviel Du willst" ... und blöd wie so eine Wolke nunmal ist, macht sie es auch. Unstete Dinger ! Aber schimpft wer auf die Wolke ? Nein, Wolken werden nur zu Kenntnis genommen, die armen, fremdbestimmten Dinger können eh nix dafür. Beim Juli ist das anders, der kann sehrwohl dafür, also kann man auch auf ihn schimpfen. Oder man schimpft gleich über den direkten Vorgesetzten, den Sommer. Vermutlich werden niemandem so viele uneingereichte Sammelklagen angehangen wie dem Sommer.

Nee, eigentlich können wir schon froh sein, daß die Monate das alles recht gelassen und etwas distanzierter sehen, einfach ein stückweit über den Dingen stehen. Wenn ich mir überlege, daß da einfach mal ein Monat streiken könnte. Hm, vermutlich wäre der Februar der erste streikende Monat ... ist ja eh seit jeher benachteiligt mit seinen wenigen Tagen ... und wenn alle vier Jahre mal ein Tag übrigbleibt, steckt man ihn dem heimlich zu, wie ein Armenbrot, ein Brotkrumen, eine Pauschalspende des schlechten Gewissens, als wäre der Februar einem eh schon peinlich weil er so mager ist. Was wäre denn, wenn der sagen würde "Hey Leute, ich will jetzt dieses Jahr endlich 7,1 % mehr Tage, sonst seht zu wie ihr klar kommt." Joah und dann kommt nix, nur so ein Angebot "alle vier Jahre eine verbindliche Sonderzahlung von einem Tag, ansonsten Nullrunde für den Rest des Lebens", ich mein wen kann man denn bitte damit abspeisen ? Auch in der heutigen Zeit ? Und wenn der streiken würde ? Was wäre dann mit den ganzen Kalendern ? Das wäre reines Chaos dann, vermutlich noch schlimmer als ein Streik der Autobahnen.

Reicht ja aus wenn er sagen wir mal für eine Woche einfach mal die Tage dicht macht. Oder schlimmer für eine ungerade Zahl an Tagen. Wobei eine Woche ja unsinnigerweise auch eine ungerade Zahl an Tagen hat. Frag mich eh, wer sich das ausgedacht hat, 12 Monate mit unterschiedlichen Tageszahlen und nichtmal einer klar festgelegten Anzahl von Wochen je Monat, immer bleiben Tage übrig, und dann muß man alle paar Jahre noch dran denken wieder irgendwas dazuzuaddieren oder auch nicht. Muß eine wahre Expertenkommission gewesen sein, die das ersonnen hat. Aber den Zündstoff dahinter, die Zeitbombe, die da ganz klammheimlich im Verborgenen tickt, die sieht/hört natürlich keiner. Wenn der Februar einmal stinkig wird, wie will man den denn bitte zur Raison bringen ? Den kann man nicht einfach aussperren, wenn der mal frecherweise streikt, der braucht auch keine Streikkasse, wenn der es Dicke hat wandert der bestimmt einfach aus und fertig.

Da kümmert sich die Politik nicht drum und auch keine Gewerkschaft. Die meisten Monate haben doch sonst auch nichts gelernt, die machen den Job doch schon seit sie denken können. Was bitte hätten die denn in der freien Wirtschaft für eine Zukunftsperspektive ? Und dann mit Hartz IV ... nee Leute, das geht doch nicht, da muß man doch viel konfliktvermeidender ans Werk gehen. Warum macht man denn bitte nicht einen Kalender, den jeder versteht und der jeden Monat gleich behandelt ? Einfach mal eine Woche hat 10 Tage, 10 Wochen sind ein Monat, 10 Monate ein Jahr, und mein Gott, wenn am Ende des Jahres halt ein paar Tage zuviel oder zu wenig da sind, macht man halt einen Jahresausgleich ... ist ja bei der Steuer auch nicht anders. Oder von mir aus auch eine Art Nachtragshaushalt. Was nicht passt, wird passend gemacht halt. Endlich mal genug Tage im Juli, damit irgendwann schonmal die Sonne scheint. Außerdem wären die ganzen demographischen Probleme mit einem Schlag erledigt ... wenn so ein Jahr endlich mal angemessen lang ist, werden die Leute auch nicht mehr so alt - schont die Rentenkasse.

Nuja ... bitte nicht so ernst nehmen, ich finde die herrlisch chaotischen 365 / 366 Tage auch ok. Und das der Febuar eben was kürzer kommt, nunja, wo gehobelt wird, fallen Späne gell. Wobei ich mich seit meiner Kindheit frage, was wohl die armen Würste machen, die am 29. Februar geboren sind und von der Natur verpflichtet wurden, wie in Zeitlupe zu altern ;-).