Freitag, 22.10.2004

Hersttag

"Feelings are intense

Words are trivial
Pleasures remain
So does the pain
Words are meaningless
And forgettable"
(Enjoy the Silence / Depeche Mode)

Heiserkeit kann etwas übles sein - vor allem, wenn sie sich über Tage hält und immer schlimmer wird. Und sie am Ende gar halbe Wörter verschluckt. Heiserkeit kann aber auch etwas positives sein. Sie kann eine Chance sein. Eine Chance, endlich mal nichts zu sagen oder sagen zu müssen. Zum Beispie, wenn man sich denn einen Tag freinimmt, um seine Stimme zu schonen. Und sich bemüht, mal wirklich so wenig zu sagen wie irgendmöglich. Und ein freier Tag kann auch eine Chance sein, zu sehen, die Sinne zu öffnen. Schon seltsam, wie das Leben manchmal spielt. Voriges Jahr hatte ich meine Kamera etwas zu spät bekommen, um wirklich den Herbst in Bildern festzuhalten. Da ich inzwischen doch wieder sehr gerne fotografiere, hab ich mich dementsprechend auf diesen Herbst gefreut. Schließlich ist der Herbst meine Lieblingsjahreszeit. Die bunten Blätter, die an den Bäumen hängen, abfallende Blätter, die von Wind zu Boden getragen werden, die Licht- und Schattenspiele, die die Sonne verursacht, das sanfte Rascheln des gefallenen Laubes an den Füssen, wenn man durch den Wald geht. Auf der anderen Seite diese leicht nebligen, fast mystischen Tage, an denen man so deutlich den Morgentau in den Spinnweben hängen sieht. Abwechslung, das ist es, wofür der Herbst bei mir steht. Man weiß nie so recht, was der Tag bringt. Dieses Jahr hatte ich extra rumgerechnet, wann denn die Zeit des 'goldenen Herbstes' sein würde ... und mir passend zwei Wochen frei genommen. Der Herbst ist einfach zu schön, um ihn beiläufig zu erleben.

Direkt am ersten Urlaubstag war ich fotografieren ... es gab schon viel sehenswertes, aber so richtig 'bunt' war es noch nicht ... die Phase begann gerade erst. "Gut", dachte ich mir, wartest Du auf die zweite Woche. Und was passierte in der zweiten Woche ? Den Großteil der Woche lag ich mehr oder weniger flach, während draußen offenkundig schönste Herbstsonne war, und als es langsam wieder aufwärts mit mir ging, war die Herbstsonne weg und mein Urlaub vorbei. Tja ... dafür wurde ich halt heute mehr als entschädigt ... der optimale Herbsttag. Sonne den ganzen Tag lang, die Verfärbung genau richtig, und Zeit genug, das richtig zu geniessen ... Glück gehabt, viel Glück. Der Herbst wie ich ihn liebe - also der bunte Herbst - ist etwas sehr flüchtiges. Denn es dauert eine Weile, bis er so herrlisch bunt wird, und wenn es so weit ist, kann man schon deutlich erkennen, was danach kommt ... die karge Farblosigkeit des Winters. Auf der einen Seite prachtvoll gefärbte Blätter, gelb, gelbgrün, rötlich, auf der anderen Seite sieht man auch schon genügend vertrocknete, zusammengerollte Blätter an den Zweigen, die ersten Zweige beginnen leer auszuschauen, auf dem Waldboden sammeln sich die abgefallenen Blätter, einige frisch gefallenene noch gelb, andere braun und vertrocknet. Aber das ist nunmal der Lauf der Zeit ... Jahr für Jahr ... die Natur bereitet sich langsam auf ihren Schlaf vor ...