Dienstag, 28.12.2004

"Talking loud and clear
Saying just what we feel
Lying in the grass
With the sun on our backs

It doesn’t really matter
What we do or what we say
With every little movement
We give ourselves away
"
(Talking loud and clear / Orchestral Manoeuvres in the Dark)

"Hilfe, mein Kartoffelsalat schmeckt nach Heringssalat" denke ich erschrocken im Stillen so bei mir. Ein neuer Fall für 'Vera am Mittag' ? Oder gar 'Richterin Barbara Salesch' ? Vielleicht liegt es auch nur einfach daran, daß ich meinen lecker Pellkartoffelsalat zusammen mit einem Lachs-Käsebrötchen esse. Weihnachten ist irgendwie immer Lachszeit, ich weiß auch nicht wieso. Ich esse gerne Lachs, aber mittlerweile hängt er mir fast ein wenig zum Hals raus. Vielleicht sollte man sich in Zukunft etwas weniger üppig mit dieser Leckerei eindecken.

Überhaupt, das Weihnachtsfest war in vielerlei Hinsicht lehrreich. Zum ersten Mal habe ich tatsächlich weit vor dem Fest - ich glaube im Juni oder Juli - ein Weihnachtsgeschenkt gekauft. Denn ich habe mich schon wieder in der letzten Wochen stehen und grübeln sehen "Hmmmm was schenke ich dem denn nun nur ?" und ewige Zeiten damit zu bringen, technoworld (ja ich weiß, heisst jetzt anders, aber für mich heisst es eben immer noch so) nach einer brauchbaren CD abzuklappern. Dieses Mal war es anders, diesmal kam ich, sah und kaufte, spontan und weit vor der hektischen Weihnachtszeit. Und, was passierte ? Zum ersten Mal eröffnete mir dieser jemand - natürlich eine Woche vor Weihnachten, wann auch sonst - was er sich denn nun zu Weihnachten wünscht ... ganz klipp und klar. Eine Premiere ... nur passte sie nicht ganz ins Konzept, da ich natürlich was anderes gekauft hatte. Aber naja, man ist flexibel, wird das passende Geschenk eben auch noch gekauft. Joah, aber als dann so langsam der Zeitpunkt der Geschenkübergabe näher rückte, stellte sich das zweite Problem von zu früh gekauften Weihnachtsgeschenken ein - man findet sie nicht mehr. Gerade, wenn es sich um eine CD handelt, und man selbst eine recht üppige, weit verteilte (oder soll ich sagen verstreute ?) CD-Sammlung hat, kann sowas schnell in einer Suchorgie ausarten. Hat man sie tatsächlich in einen der CD-Türme gepackt ? Aber da ist sie nicht. Ist sie in einem CD-Sammelkarton ? Nein. Liegt sie irgendwo anders ? Oder bin ich gar im Juli auf die Idee gekommen, die CD irgendwie aufzuräumen, damit ich sie zur Bescherungszeit schnell und unproblematisch wiederfinde ? Welch erschreckende Vorstellung, denn wie sollte ich jetzt noch wissen, auf welche geniale Idee ich vor einem halben Jahr gekommen bin ? Normalerweise suche ich dann umso länger, nur um mir - wenn ich das 'Aufgeräumte' dann endlich gefunden habe, zu sagen "hey, das da hinzulegen, da hab ich mir damals schon eine Menge bei gedacht, das war schon ganz schön clever von mir". Also nochmal die CD-Türme durchsucht. Keine Spur. Kann doch nicht sein. Im dritten Anlauf finde ich sie dann doch ... wo ? Natürlich in einem der CD-Türme ... immer wieder überlesen, weil der Schriftzug so unspektakulär kleingeschrieben weiß auf schwarz ist ... *args*. Nächstes Jahr erspar ich mir den Stress und kauf einfach wieder alles in letzter Minute ;-).

Aber noch zu etwas anderem ... es ist schon seltsam, wie sich manche Dinge mit der Zeit (oder soll ich sagen mit den Jahren ?) für einen ändern ... und wie man anderes vermutlich bis ans Lebensende immer mit der gleichen Intensität sehen oder erleben wird. Gestern hatte es tatsächlich mal wieder über nacht geschneit, und als ich mich im Laufe des Vormittags aus dem Bett erhob, schneite es immer noch ein wenig. Warm angezogen und raus, Brötchen holen. Und vor den Garagen war sie dann wieder da ... die beinahe kindliche Freude über dieses sanfte Knirschen, das Nachgeben des Schnees unter den Schuhen, das Sehen der eigenen Spuren im vorher jungfräulichen Schnee, das dazu einläd, erstmal ein paar Schritte einfach so zu machen, ohne Ziel, nur um den Augenblick zu geniessen. Daß mir irgendwann mal Schneeschippen Spaß machen würde ... wer hätte das gedacht ... und gestern hat es mir Spaß gemacht, richtig Spaß. Vielleicht muß man Urlaub dafür haben, einfach Zeit, ich weiß es nicht. Warm eingepackt, mit Mütze und der guten Irvin-Fliegerjacke, Handschuhe an, im leichten Schneegestöber, die kalte, aber umso frischer wirkende Luft ... und nach getaner Arbeit wieder ins Warme zu kommen und gut zu frühstücken ... ja, das hat was.  Wenn ich an die Menschen denke, die ohne warmes Zuhause sind und in dieser Jahreszeit irgendwo draußen versuchen können, sich etwas Restwärme zu besorgen und bei solchen Temperaturen im Freien schlafen müssen, ohne zu wissen, ob sie den nächsten Morgen überhaupt erleben oder einfach erfrieren, ohne daß es jemand zur Kenntnis nimmt ... irgendwie hat immer alles seine zwei Seiten ... und wo Licht ist, ist immer ebenso Schatten ...