Montag, 07.02.2005

"It’s just another manic monday
I wish it was sunday
’cause that’s my funday
My I don’t have to runday
It’s just another manic monday"
(Manic Monday / The Bangles)

Der Tag beginnt für mich um 10:50. Klingt nach einem ruhigen, langsamen, beschwinglichen Einstieg in einen Rosenmontag. Wäre es zweifelsohne auch gewesen ... wenn mir um 10:50 nicht just nach Öffnen der Augen und Blick auf die Uhr eingefallen wäre, daß zwar Rosenmontag ist, ich mir aber dieses Jahr gar nicht frei genommen habe ... ergo seit ungefähr zwei Stunden auf der Arbeit sein müsste - wie das Leben halt so spielt, fängt der Tag halt mal mittendrinnen an.

Der Tag fährt fort mit einer neuen Rekordzeit "Erheben aus Bett -> Ankunft in Firma" ... ich treffe rechtzeitig zur Mittagsbestellung ein und nehme die ersten zwei Stunden optisch wie durch einen seltsamen Nebelschleier wahr. Nein, ich war gestern nicht unterwegs, feiern oder pischeln, ich war sogar einigermaßen zeitig im Bett. Ich denke auch nicht, daß es Spuren meines virtuellen Aufenthalts in gewissen Nachtelfenwäldern sind, wo es auch an vielen Stellen diesen seltsam verhüllenden Schleier gibt. Offensichtlich wollten meine Augen mich einfach nicht so schnell schonungslos mit der Aussenwelt konfrontieren und blendeten einfach das ein oder andere mit einem lustigen Weichzeichner aus - hach, wäre nur alles um mich rum so bemüht um mein Wohlergehen.

Der Tag endet mit dem Ende der World of Warcraft Beta (nunja eigentlich endet er mehr mit dem Schreiben dieses Tagebucheintrags ;-)). Wie angekündigt lässt Blizzard die Serverwelten in einem grossen Inferno untergehen - dem Angriff der "brennenden Legion", die alles verzeht. Nungut, von besagter brennender Legion habe ich nicht wirklich viel gesehen heute abend ... Feuer gab es eine Menge auf der Insel namens Tedrassil, Tote gab es auch en masse zu bewundern, doch das einzige Zeichen der angreifenden Jünger der Apokalypse war ein Schreckenslord samt Anhang an den Bootsstegen von Ruth Theran. Nichtsdestotrotz habe ich ein paar Screenshots gemacht, die ich anbei ein wenig kommentieren möchte.



So stell ich mir den Untergang der Welt vor ... während an einem Bootssteg unzählige Unverbesserliche versuchen, das unabwendbare Schicksal doch noch abzuwenden und lustig in bester Musketier-Manier rufen, alle sollen mitmachen, sitzen andere (genauer gesagt ein Gnom und ein Zwerg, links im Bild zu sehen) einfach in der Gegend rum und angeln. Tja, Angeln entspannt, ist einfach so, auch im Angesicht des nahenden Endes.


Natürlich liegen viele Tote in der Gegend rum - weil immer, wenn es mit der Welt zu Ende geht, viele Tote lustlos in der Gegend rumliegen ... ist empirisch bewiesen. Nicht, daß das was ändern würde, nein. Wobei, manchmal kann man das Unausweichliche doch noch abwenden. Wissen alle, die diesen Dokumentarfilm "Armageddon" über diese amerikanische Rettungsmission geschaut haben, bei der die Amerikaner einige Leute mit einem Bohrer ausgestattet auf einen riesigen Kometen schiessen, um den rechtzeitig zu sprengen (den Meteoriten, nicht den Bohrer). Der Bruce Willis war ja auch dabei ... ein grausames Schicksal, was der schon alles erlebt hat, wirklich hart ... ist ja grösstenteils dokumentiert. Joah ... abgesehen davon, daß nur Amerikaner auf die Idee kommen können, in einen Meteoriten, der zweifelsohne unser aller Verderben gewesen wäre, ein Loch zu bohren, und den dann zu sprengen, sie haben damit auch noch Erfolg gehabt. Aber von sowas redet ja niemand, wenn es um die USA geht. Wenn es um die USA geht, wird immer negativ geredet in Deutschland. Ist doch so. Was die schon alles geleistet haben, wird immer totgeschwiegen und unter den Tisch oder Teppich gekehrt. Aber irgendwann wird er sich schon zu Wort melden, der Bruce Willis. Und die Kate Beckinsale, die uns in ihrer feschen Latex-Catsuit immer so tapfer vor Werwesen beschützt und ganz nebenbei deutlich angenehmer anzuschauen ist als Bruce Willis, weil sie nämlich nicht am Ende eines Dokumentarstreifens wiedermal restlos blutverschmiert wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend steht. Oha, ich bin abgeschweift. Zurück zu World of Warcraft.


Tja ... die Nachtelfen (seit dem letzten Tagebucheintrag wissen wir, daß die meisten von ihnen werkstätig sind und daher nur abends zum Spielen kommen und es im Spiel da leider immer dunkel (also Nacht) ist) lassen sich halt auch durch den Einfall der brennenden Legion (genauer gesagt einem einsamen Schreckenslord, der irgendwie wirkt, als hätte er sich verirrt), unzähliger Tote und der Aussicht auf nunmehr mindestens drei World-of-Warcraft-freie Tage nicht wirklich die Laune verderben - sie feiern einfach, tanzen, lachen und machen seltsame Witze über Kochrezepte und den nur schwer stillbaren Hunger ihrer Haustiere. Und weil die Nachtelfen einen schönen Körper haben und es halt immer schön warm in Teldrassil ist (vor allem, wenn die brennende Legion alles in loderndes Feuer verwandelt, was nicht niet und nagelfest ist) und nicht so uzzlig kalt wie bei den Zwergen im Hochgebirge der östlichen Königreiche, lassen viele von ihnen halt nur zu gerne bei so einer Gelegenheit alle unnütze Kleidung im Tanz fallen - ein Lendenschurz oder Bikini reicht ja nun auch wirklich aus, mehr braucht man nicht, um der Apokalypse entgegenzutreten ... kann man den Schreckenslord nicht durch Pfeile und wirkungsvolle magische Angriffszauber überzeugen, dann vielleicht mit der puren Kraft der Schöpfung. Es ist mehr als fraglich, ob die anderen auf Azeroth beheimateten Rassen diese Vorliebe teilen. Ähnliche Feierlichkeiten bei den Untoten würden vermutlich doch deutlich mehr Einblicke bieten und ein wenig arg an eine "Körperwelten"-Ausstellung erinnern.