Sonntag, 08.05.2005

Wolken im Mai

"If living rough is no solution
Why does it ease my mind
If looking back is no solution
Why are we all
Nothing but children
Children inside"
(When I meet God / Marillion)

"Sehe die erste Hummel in diesem Jahr. Sie ich dick, besser gesagt wohlgenährt. Entscheide spontan, die Hummel als Symbol für den eingeläuteten Frühling zu deuten. Dieser Frühling beginnt gefühlsmässig im Herbste meines Lebens. Vermutlich verbindet mich das mit dem Hummel, die sicherlich auch im Herbste ihrer Tage steht."

Das muß irgendwann Anfang April gewesen sein ... ein paar Wochen her. Seltsam, wie schnell die Zeit vergeht, die ersten Blumen verblühen bereits wieder und lassen ihre Blätter fallen ... sie haben genug für ihren Arterhalt getan, nun sammeln sie nur noch Kraft für den nächsten Winter. Die Natur hat ihren ganz eigenen Rhythmus, sie bleibt nicht stehen, um inne zu halten, sie hat ihre Phasen, die sie durchläuft, wie eine Uhr, die - als Ganzes - kontinuerlich weiterläuft.

Vermutlich macht es dieses Wissen um die selbstverständlichen Abläufe in der Natur und den steten Wandel so schwer, zu akzeptieren, daß wir als Menschen nur Teil des Ganzen sind, daß unsere Uhr nicht unbegrenzt weiterläuft ... sie wird einmal aufgezogen und das war es, eines Tages ist die Laufzeit verstrichen und die Zeiger bleiben stehen, ohne, daß man etwas dran machen kann. So ist es bei allem, was in der Natur lebt ...

Ich komme auf dieses Thema, weil vor wenigen Tagen der Vater meiner Schwägerin gestorben ist. Weihnachten habe ich ihn noch gesehen, das ist gerademal 4 Monate her, etwas mehr ... wir alle kennen die Floskeln, die man auf Familienfesten jeglicher Art zu hören bekommt ... "bis nächstes Jahr, so Gott will" oder "wir müssen uns alle anstrengen, damit wir nächstes Jahr wieder hier zusammensitzen". Floskeln, die man gerne sagt, ohne groß auf den Inhalt zu achten, denn eigentlich sieht man es als selbsverständlich an, daß man sich zu gewohnter Zeit am gewohnten Ort wiedersieht ... klar, warum auch nicht, was soll schon passieren, alle nicken einstimmig und lächeln ... aber das, was in diesen Floskeln als selbstverständlich hingestellt wird, ist leider etwas, worauf wir Menschen wenig oder keinen Einfluss haben ... genau betrachtet wissen wir nichtmal, ob wir den nächsten Tag erleben ... aber wir verdrängen es ... "es hat bislang immer gut gegangen, was soll morgen anders sein" denken wir uns ... bis irgendwann der Zeiger stehen bleibt, oft unerwartet, oft irgendwie zu früh ... und ein Mensch plötzlich einfach nicht mehr da ist ...