Donnerstag, 04.08.2005

Abendsonne

"I never could dream while I was sleeping
Put your arms around my soul
And take it dancing ...

Take me to the fantastic place
Keep the rest of my life away"
(Fantastic Places / Marillion)

Die Abendsonne scheint von draussen herein, durch die Ritze, es ist 19:54, noch angenehm warm ... der Sommer ist zur Hälfte um, vielleicht mehr, die Tage werden langsam aber sicher wieder kürzer und bereiten sich gemächlich auf den Herbst vor. Im Rechner dreht sich die Marbles-Live-DVD von Marillion, passend für den Augenblick, und ich lese einen Comic ... genauer gesagt "Death: Die Zeit Deines Lebens", meine Füsse liegen auf dem Schreibtisch und ich frage mich, ob sich nicht auch ein leckerer Bananen-Milch-Shake perfekt in den Abend fügen würde. Seltsam ... ich denke, es ist eine ganze Weile her, daß ich Comics gelesen habe. In der Kindheit und Jugend war ich verrückt danach. Donald Duck fand ich genial ... die Ente im ewigen Matrosenanzug, bei der immer irgendwie was schief lief, ein sympathischer Verlierer wie Charlie Brown ... Micky Maus war nie wirklich mein Fall, zu sehr der Strahlemann, dem alles irgendwie gelingt. Eine ganze Reihe der sogenannten "lustigen Taschenbücher" hab ich heute noch. Dann gab es natürlich noch die obligatorischen Superhelden-Comics ... hier war Batman, der Rächer im Fledermauskostüm, mein Favorit ... von fast unverwundbaren Leuten mit Superkräften hielt ich nie viel, sie waren irgendwie uninteressant für mich ... Batman war der mehr oder minder normalsterbliche Mensch, der nunmal das beste aus den Möglichkeiten machte, die man als Schwerreicher nunmal hatte ;-). Dann gab es noch die Krieg der Sterne Comics ... lange ist es her.

Jetzt fängt gerade Neverland an ... nicht schlecht ... wie sich ein Lied in der doch relativ kurzen Zeit eines Jahres zu meinen absoluten Lieblingsliedern gespielt hat.

Ich sitze hier und irgendwie muß ich schmunzeln ... mit Mitte 30 holen mich die Comics also wieder ein ... auch wenn es irgendwie eine ganz andere Art von Comics sind. Seltsam, daß es Comics gibt, die man sogar noch bei einem guten Glas Wein lesen kann ... Comics, keine lose Ansammlung bunter Bildchen, sondern auf ihre Art wirkliche Kunst, bei der man gern mal länger und genauer hinschaut und staunt, wie Leute Geschichten erzählen, wie sie die Szenen und Perspektiven wechseln ... einfach Kunst, von der Geschichte, von den Zeichnungen, von der ganzen Aufmachung her. Comics, die in die Tiefe gehen, nicht an der vermeintlich unterhaltsamen, lapidaren Oberfläche bleiben, Comics, die einen nachdenklich stimmen oder dazu inspirieren, vielleicht demnächst gewissen Dinge etwas mehr zu beachten, die einem im Alltag begegnen ... so, wie es auch ein gutes Buch manchmal schafft.