Sonntag, 11.06.2006

"I know all the people
There's nobody new
Soon we'll be leaving
With the same old crew

On the green water

The tumbling sea
They ain't running
Like the good old days

Time's just slipping

Down the old slipways
In the dock
So dear to me"
(The trawlersman's song / Mark Knopfler)

Vorige Woche Samstag war der Junggesellenabschied von David, dem zur Legende gewordenen Ex-Azubi (bestimmt noch bekannt aus dem ein oder anderen älteren Tagebucheintrag). Ein durchaus gelungener Abend in einem spanischen Lokal ... fast die ganze Zeit gute, folkloristisch angehauchte spanische Livemusik, eine der Atmosphäre durchaus zuträgliche junge wohlgeformte Flamenco-Tänzerin, Bier, Cocktails, gutes Essen, nette, ausgelassene Atmosphäre.

Als mich beim Lokawechsel die neuerdings immer häufige präsente Gnade der Müdigkeit (vermutlich eine Gratis-Dreingabe meines fortgeschrittenen Alters oder der chronischen Argh-ich-muß-noch-fahren-und-darf-das-alles-nicht-Lebensweise) überzeugte, statt noch weiter mitzuziehen doch lieber den Heimweg anzutreten, durfte ich dann auf dem Parkplatz feststellen, dass in meiner Abwesenheit wohl eine Staffel oder eher ein ganzes Geschwader von Vögeln unbekannter Art den Lurch als Testziel für diversen Flugmist verwendet hat - nunja, was den Amerikanern ihr Red Flag in der Wüste Nevadas ist, ist den Alsdorfer Vögeln offenkundig der St. Brieuc-Platz. Das ganze Elend zeigte sich tagsdrauf, als ich bei vollem Tageslicht mit Schwamm und einem Eimer Wasser bewaffnet zur Garage ging, um diese ganzen Kleinode zu entfernen. Etwas derartiges hatte und habe ich noch nie auf einem Auto gesehen ... für einen Moment dachte ich, dass nichtmal ein ganzes Geschwader von Tauben dafür ausreichen kann ... war es vielleicht der geheimnisumwitterte "Vogel Greif"? Waren das seine Zeichen, die er so unverhohlen auf gelbem Lack hinterließ? Oder war es vielleicht der Cluster-Dung eines ausgewachsenen Schwarzdrachens?

Wie auch immer, ich entfernte alles, während ich mir wieder einmal so vorkam, als hätten die tropischen Regenwäldern endlich unsere Breitengrade erreicht. Nicht klimatechnisch, eher akkustisch. Es geht um das wunderbar belebende und höchst entspannende Krächzen eines Papageienvogels (Gerüchten zufolge ein Kakadu), der irgendwo in der Nähe liebevoll gehalten wird. Vermutlich ist sein so oft und so lang zu hörendes markantes Krächzen ein Zeichen seiner Dankbarkeit und der Tatsache, dass es ihm gut geht. Man darf es sich in etwa so vorstellen wie das Krächzen eines Raben ... die entscheidenden Unterschiede liegen einerseits in der Lautstärke (im Vergleich erscheinen Raben wie mit einem integrierten Schalldämpfer) und zum anderen in der Dauer der Mitteilsamkeit ... während ein Rabe halt mal kurz "Kraaaah Kraaaaah" macht und dann auch zufrieden ist, lässt sich dieser Artgenosse von der Zeit nicht weiter beirren.

Unvergessen ist etwa der wunderbare Sonntagmorgen, vielleicht drei oder vier Wochen her, wo dieser liebenswerte Vogel seine Lebensfreude schon um halb 8 in nicht endenwollender Leidenschaft kundtat. Nunja, nicht endenwollend ist übertrieben, eine Viertelstunde kommt einem wie eine Ewigkeit vor, wenn es ein freier Tag ist und man wirklich nur eins will - nämlich seine Ruhe haben und schlafen. Tja ... als nach besagter Viertelstunde plötzlich wieder Ruhe einkehrte, hegte ich tatsächlich die vage Hoffnung, ein Nachbar könnte ihm den Hals umgedreht haben. Es war ja nicht etwa so, dass ich danach wieder einschlafen konnte - neeeeeein. Es ist auch nicht so, dass ich irgendwie säuerlich oder gar nachtragend bin, wenn ich mich am einzigen Tag, wo ich wirklich ausschlafen kann, viel zu früh aus dem Bett schälen darf und mich irgendwie statt erholter noch zerbröselter und zermahlener fühle als wenige Stunden zuvor, als ich den Weg ins Bett gefunden habe.

Ich meine, hey, ich weiß, dass der Kakadu da nichts für kann. Nunja, natürlich kann er was dafür, aber so ist nunmal seine Natur, die kann ich ihm ja schwer vorwerfen, im tropischen Regenwald wird das vielleicht auch seinen Sinn haben, dass er so laut durch die Gegend krächzt. Aber warum bitte legen sich Leute einen Vogel aus dem tropischen Regenwald zu, um ihn dann hier als Haustier zu halten?

Seltsame Welt.