Montag, 28.08.2006

"He deals the cards as a meditation
And those he plays never suspect
He doesn't play for the money he wins
He doesn't play for respect

He deals the cards to find the answer
The sacred geometry of chance
The hidden law of probable outcome
The numbers lead a dance
"
(Shape of my heart / Sting)

Ein kleiner Bootssteg an einem Fluß namens Hunte. Am anderen Ufer sind ein paar Bäume und Büsche, dahinter anscheinend eine Schnellstraße. Kein Sonnenschein, es ist bewölkt. Immer mal wieder kommen ein paar Tropfen runter, dann hört es wieder auf, manchmal kommt kurz die Sonne raus. Ich sitze da, hingekauert, neben mir mein Rucksack, der Blick aufs Wasser gerichtet, auf diese langsame Strömung, die an mir vorbeizieht. Irgendwo weiter hinten ist eine Schleuse. Viele würden sich denken, wie unspektakulär dieser Anblick doch ist, wie wenig reizvoll, wie uninteressant, wie langweilig und öde. Doch ich fühle genau das, was mir die letzten Wochen so sehr fehlte ... Ruhe ... einfach nur Ruhe ... Zeit ... Luft zum Atmen.

In einiger Entfernung links von mir ist ein Schiff zu sehen ... eins dieser Frachtschiffe, die auf Binnengewässern unterwegs sind, diese langen, breiten, flachen, die vorne einen ewig langen Laderaum haben und dann irgendwo hinten ein kleines Führerhaus mit Wohnraum. Zunächst denke ich, es hat angelegt, bewegt sich nicht. Dann merke ich, dass es doch näher kommt, ganz langsam, fast unmerklich, aber doch beständig. Vermutlich lässt es sich einfach von der Strömung dahintreiben.

Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis es auf meiner Höhe ist, keine Spur von Eile, es ist egal, es spielt keine Rolle, es wird irgendwann schon da ankommen, wo es hinwill. Als es an mir vorbeifährt, sehe ich seinen Namen ... "Tonga". Er erinnert mich an Afrika, an ferne Orte. Dem Schiff selbst sieht man deutlich an, dass es bereits einige Jahre und viele Fahrten auf dem Buckel hat. Wieviel mag es gesehen haben? Oder wie wenig? "Tonga" ... ein seltsam fremd anmutender Name in dieser Umgebung, fast exotisch. Er passt nicht. Und vielleicht passt er gerade deshalb doch. Im Führerhaus sind zwei Männer ... einer vielleicht 45, ein anderer älter, mit einem deutlich angegrauten Vollbart, der mich ein wenig an den erinnert, den mein Vater einmal hatte. Sie schauen zu mir rüber, ich zu ihnen, während sie langsam vorbeiziehen, Meter um Meter, ohne Eile. Ein seltsamer Moment.

Als sie vorbei sind und ich den Rumpf des Schiffes sehe, merke ich, dass meine Augen leicht feucht sind ... ich weiß nicht, warum, es verwirrt mich. Vielleicht werde ich mit zunehmendem Alter wirklich immer seltsamer.