Mittwoch, 30.08.2006

Nordsee Bild 1Nordsee Bild 2

"The smell of the earth

It's his favourite smell
But he's somehow compelled to the stinging salt hell
To the place where he hurts and he's scared
And there's no one to tell
And no one who doesn't listen"
(Ocean Cloud / Marillion)

Ein Parkplatz an einer kaum befahrenen Landstraße, ein rasenbedeckter, aufgeschütteter Erdwall, ein paar steinerne Stufen mit einem Geländer ... dahinter ist sie ... die Nordsee. Es ist Ebbe, das Wasser ist weit zurückgewichen, es regnet. Ich habe meinen Schirm dabei, er erscheint mir für die Gelegenheit mindestens zwei Nummern zu groß. Dem Wind scheint er aber zu gefallen. Das wechselhafte Wetter hat den Vorteil, das nicht viel los ist hier ... wenn hier an dieser Stelle überhaupt mal viel los ist. Ein paar Spaziergänger, eine Frau macht Fotos, ein junges Paar mit Hund ist zu sehen. Irgendwo in nicht allzu weiter Ferne ein leichter Regenbogen, über von der Sonne angestrahlten, unwirklich weissen Gebäuden, während der Himmel um sie rum diesig grau ist.

Rauh erscheint es mir in diesem Augenblick, das Meer ... seltsam frei, uneingezwängt, kein Ende auf der anderen Seite zu sehen, nur das Wasser und seine Wellen. Kraft liegt in diesem Bild, Energie ... und zugleich etwas wie Ewigkeit ... und Ruhe ... nur das Geräusch der Wellen, ab und zu eine Möwe. Eine ganz eigene Faszination für die Sinne.

Nordsee Bild 3

Der Regen hört auf und die Sonne kommt raus, sie hat es geschafft, zwischen all den Wolken einen Weg zu finden, sie kurzzeitig zu verdrängen. Nicht für lange, soviel ist sicher ... weiter hinten, über dem Wall, wird der Himmel ganz dunkel, dort zieht es sich zusammen. Der nächste Regen wird intensiver ausfallen, deutlich intensiver ... so intensiv, das ich ihn nicht unbedingt im Freien erleben möchte. Wann werden die Wolken da sein?

Als die ersten Tropfen fallen entschließe ich mich, zurück zum Auto zu gehen. Der Regen setzt ziemlich genau in dem Augenblick richtig ein, als ich oben auf dem Wall angekommen bin, dort, wo es am windigsten ist ... es schüttet wie aus Kübeln, der Schirm ist nun irgendwie eher hinderlich als schützend, dennoch bleibt er auf, während ich mich bemühe, möglichst schnell zum Lurch zu kommen, ins Trockene. Der gut gemeinte Versuch, halbwegs trocken zu bleiben, scheitert kurz vor der Ziellinie, da ich den Schirm irgendwie zusammenpacken und in den Kofferraum bekommen muß ... und wenn ich eh schon richtig nass werde, kann ich auch noch gleich ein Handtuch aus meiner Tasche im Kofferraum fischen.

Während ich mir im Auto kurz meine Haare trocken rubbel, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Etwas mehr Sonne hätte es sein können ... stattdessen liegen seltsam verregnete Tage liegen hinter ... aber wahrscheinlich mussten sie verregnet sein, damit ich sie wahrnehmen konnte, wie ich sie wahrgenommen habe. Vor mir liegt nun der Heimweg, die Autobahn, Richtung Südwesten, zurück nach Hause.