Dieses ewige Hin und her

Und so saß er wieder einmal hier. Vor den Toren Druim Ligens, der großen Grenzfeste Hibernias. Auf Gruppensuche, bereit zu neuen Taten. Um ihn herum das gewohnte rege Treiben. In der Mitte vor dem Tor, zumeist auf der Rampe, standen oder saßen die Suchenden. Links und rechts davon sammelten sich die Gruppen, manche waren schon vollständig, andere noch nicht, einige waren sogar extra etwas den Hügel raufgeklettert, um für später Hinzukommende gut zu finden zu sein. Gruppenführer diskutierten munter, ob sie zusammen loslaufen wollten oder nicht. Andere riefen irgendwas in der Art von "Gruppe sucht noch Druiden", "Gruppe sucht noch Barden und Hüter, sonst komplett" oder "Noch sieben freie Plätze in Gruppe!" Es wurde darüber geredet, wie viele Albioner wieder unterwegs waren, deren Taktik seit einiger Zeit standardmäßig von vielen mit dem Begriff "Zerg" zusammengefasst wurde. Wobei dieser Begriff mehr und mehr eine reichsübergreifende Bedeutung erhielt, da auch die anderen Reiche die erfolgreiche Taktik nach und nach übernahmen - natürlich ohne das Original je in seiner Pracht zu erreichen. Zerg. Ein kurzer, knapper und sehr präziser Begriff, er stammte wohl von irgendeinem alten Volk, das einmal die Weltherrschaft angestrebt hatte, und dabei die fehlende Qualität durch schiere Massen auszugleichen suchte. Niemand wusste so recht, was aus den Zergs geworden war, manche meinten gar, die Albioner wären die rechtmäßigen Nachfahren dieses Volks, und das ganze Bohei um Excalibur, Kirche und den heiligen Gral reine Maskerade. Ganz Albion ein einziger, großer Geheimbund ?

Zerg hin, Zerg her, ein Barde rechts von ihm ließ entnervt verlauten, daß früher eh alles besser war und die Grenzgebiete nur noch überflutet sind. Worauf eine wilde Diskussion einer anderen Gruppe entbrennt, ob man nicht doch lieber via Portal nach Midgard oder Albion sollte. Gesagt, getan, die Gruppe verschwindet durchs Tor zurück in die Festung. An der Mauer der Festung verteilte ein Druide einem Nachtschatten eine angemessene magische Aufwertung seiner körperlichen Leistungsfähigkeit und gesellte sich dann zu einigen anderen Druiden, die es sich bei Käse, Wein und Brot bequem gemacht hatten und Karten spielten. Der Waldläufer derweil verschwand Richtung Cruachan-Schlucht und war bald aufgrund seiner vorzüglichen Tarnung nicht mehr zu sehen.

Ein Barde zog zwei neue Saiten auf seiner Laute auf, ein Handwerker besserte notdürftig das Schild eines Kriegers aus. Zwei Animisten übten sich in einem Wettstreit, wer als erster fünf Pilze herbeibeschworen hatte, ein Luri-Champ wollte sich unbedingt mit irgendeinem anderen Kämpfer duellieren um klarzustellen, daß er nicht minder gefährlich für die Feinde Hibernias war. Irgendein Firbolg kam in schierer Panik tappsig die Schlucht entlang gelaufen und schrie etwas von ein paar Sarazenen, die weiter hinten ihr Unheil trieben und arglos losgelaufene Mitstreiter malträtierten. Eine Gruppe lief los in Richtung Schlucht, vermutlich um die Eindringlinge zu suchen. Den Rest schien die Meldung nicht groß zu interessieren. Warum auch. Immer wieder kamen neue Leute durch das Tor und riefen lautstark etwas in der Art von "Nette Animistin sucht Gruppe" oder "Kann noch jemand einen Schnitter brauchen". Daran, daß da in unmittelbarer Nähe bereits andere Leute saßen, die für ihr Alter noch recht gut hörten, dachten sie nicht. Warum auch. Es waren ja nicht ihre eigenen Ohren, die sie malträtierten. Eine Ausnahme bildete der elfische Eldritch, der gerade auf der Rampe stehend ausladend in epischer Form seine Fähigkeiten anpries ... mit einer zurückhaltenden Lautstärke, die im allgemeinen Stimmengewirr natürlich einfach unterging. Er bemerkte sein Mißgeschick und wählte nun wie andere Leute auch die Kurzform und schrie sie hinaus. Nicht, daß er dadurch nun mehr Gehör fand. Manchmal erinnerte ihn das Treiben hier an den wöchentlichen Fischmarkt in Connla ... es fehlten nur noch ein paar Bewohner aus Midgard, um den Eindruck mit dem passenden Geruch zu komplettieren. Ein ganz normaler Tag in Druim Ligen eben.

Cavar legte seinen Helm und sein Zweihänderschwert neben sich ins grüne Gras und setzte sich hin. Es dauerte immer eine Weile, bis man irgendwo unterkam. Neben ihm trudelten nach und nach die Mitglieder einer anderen Gruppe ein, die offensichtlich gerade von Bewohnern Midgards aus den hibernianischen Grenzgebieten "vertrieben" worden war und die nun lautstark diskutierte, warum denn an diesem Tag wiedermal alles schief lief und warum es die Kämpfer nicht hinbekamen, sich im Kampf gegenseitig zu unterstützen, so schwer konnte das ja wohl nicht sein, man müsste ja nicht jedesmal sterben. Woraufhin einer der Kämpfer beleidigt die Gruppe verließ. Der Barde war eh schon weg. "Wo bekommen wir denn nun bitte einen neuen Barden her ? Da können wir doch gleich auflösen". Irgendwer geht halt immer nach dem ersten Tod.

"Irgendwer geht halt immer nach dem ersten Tod". Ein schöner und treffender Satz. In dieser Welt starb man nicht durch Waffengewalt. Nun, das heisst, eigentlich starb man schon durch Waffengewalt, aber es war nicht derselbe Tod, den es in der Anderwelt gab, es war ein anderer, er hatte eine andere Bedeutung. Nun, klar, er war nie in der Anderwelt gewesen, wie auch, er war Kelte und zählte nicht zu den magisch besonders privilegierten Rassen Hibernias. Er war Fian, Krieger, ohne diesen ganzen Schnickschnack, anstelle der grellbunten Effekthascherei verließ er sich lieber auf ein gutgearbeitetes Schwert. Die Anderwelt kannte er nur von den Erzählungen einiger Luriken und Elfen. Aber dort hatte der Tod die Bedeutung, die er wohl auch in der Welt, in der er selber lebte, irgendwann gehabt hatte - es gab dafür genügend Überlieferungen oder Sagen. Niemand wusste so recht, wann sich die Bedeutung des Todes geändert hatte ... war es als die Luriken und Elfen wieder aus der Anderwelt zurückkamen ? Wie auch immer, hier bedeutete der Tod jedenfalls nicht das Ende, man hörte nicht auf zu existieren, er war nicht das letzte Wort. Denn nach jedem Tod kam die Wiedererweckung, und mit ihr die fast unerträgliche Übelkeit die der Körper verursachte, wenn er jäh aus dem Leben gerissen wurde, um zugleich wieder reingerissen zu werden.

Selbst zähe Kelten schienen für diese Art des Daseins nicht wirklich ausgelegt zu sein. Dieses ewige Hin und Her. Vom Schöpfer (oder den Schöpfern ?) gewünschter Nebeneffekt der Wiederbelebungsübelkeit war, daß zu den Schmerzen und der Pein, die die in den Körper geschlagenen Wunden in den letzten Augenblicken des Lebens brachte, noch die lustvolle Gewissheit hinzukam, daß der deutlich unangenehmere Teil erst noch bevorstand, und man dementsprechend behutsam mit seinem Leben umging. Joah. Sofern es die Umstände zuließen. Er hasste es. Sicher, er war Krieger, Fian, aber das änderte nichts daran. Er hasste es. Nachdem man zurückgeholt wurde, fühlte man sich wie wie eine saft- und kraftlose Masse, die irgendjemand irgendwo bei einem Heiler ausgespukt und der man sämtliche Innereien ein paarmal durch einen Alchemisten-Mörser gejagt hatte. Eben eine andere Dimension von "unangenehm".

Cavar sah sich um. Jeder der hier vor den Toren Druim Ligens stand, teilte sein Schicksal ... verdammt zu einem ewigen Kreislauf aus Leben und Sterben. Auch der  Luriken-Champ, der mittlerweile bei ihm angekommen und fragte, ob er sich duellieren wollte. Er wollte nicht. Warum auch. Typisch Luriken. Warum mussten diese Wuseldinger immer so unruhig, so hibbelig sein ? Und warum mussten sie wenn sie schon eine Antwort erhalten hatten, unbedingt nochmal und nochmal und nochmal fragen ? Warum konnten sie nicht etwas von der Ruhe der Sylvaner haben ? Die dafür mit jeder Bewegung knirschten wie morsches Gebälk im Sturm. Kein Wunder, daß sie keine Nachtschatten werden konnten, Königin Brigit wusste schon, was sie tat. Egal. Versöhnlich dachte Cavar wieder daran, daß sie eh alle dasselbe Schicksal teilten.

Tja. Die Tatsache, daß der Tod hier nichts endgültiges war, bedeutete nicht zwangsläufig, daß jeder ewig in dieser Welt blieb, denn es gab sehr wohl ein Ende der Existenz. Denn, so seltsam es auch klingen mochte, man hörte schlicht und einfach auf zu existieren, wenn man über zu lange Zeit das Interesse am Leben verlor, das Interesse an seinem Dasein, naja, wie immer man es nun nennen mochte. So einfach war das. Man hatte irgendwann zu lange keine Lust mehr und schwupps, war man weg, nicht mehr da, von einem Tag auf den anderen. Es gab dann keinen Tod, keine Beerdigung, keine Trauerfeier. Cavar hatte es bei vielen bereits erlebt. Gute Freunde, Weggefährten, die irgendwann einfach nicht mehr da waren. Manche verabschiedeten sich vorher, bei anderen fiel es nur dadurch auf, daß man sie einfach nicht mehr sah. Einige kamen auch wieder, nach langer Zeit. Aber viele waren dann nicht mehr dieselben. Sie trugen den Namen, sie wandelten in dem bekannten Körper herum, aber ... sie hatten nicht mehr dieselbe Seele, es war so, als hätte man sie ausgetauscht, einen Fremden in die alte Hülle gesteckt. Manchmal hatten sie bei ihrer Rückkehr sogar einen Großteil ihres Wissens verloren und wirkten wie fremde Gestalten, die nicht mehr wirklich in die Welt passten. Aber das war ein anderes Thema.

Lyonesse. Eine verrückte Welt. Vollkommen verrückt. Vielleicht war es die Schöpfung eines Sadisten ? Oder eher die Gemeinschaftsproduktion mehrerer Sadisten ? Er dachte zurück an das, was man gemeinhin Leveln nannte. Leveln. Nein, das Wort erschien ihm immer noch seltsam fremdartig. Er nannte es Erfahrung sammeln. Wobei man letztendlich ohnehin immer Erfahrung sammelt, egal, was man nun macht, im ein oder anderen Sinne. Er dachte an interessante Erkundungen neuer Gebiete zurück, daran, wie er das erste Mal auf bestimmte Wesen oder Monster gestossen war. Aber er dachte auch daran, wie er ewige Stunden an praktisch derselben Stelle verbracht hat und wahre Heere von bösen Siabras, glitzernden Kriegsschatten und garstigen Fomors ins Jenseits geschickt hat - nur damit sie nach und nach doch wiederkamen, als wäre nichts geschehen. Es ging ihnen nicht anders als ihm selbst, sie starben, aber sie hörten nicht auf zu existieren. Sie brauchten nur teilweise länger, bis in ihnen der Wunsch gereift war, wiederzukommen. Was er verstehen konnte. Als Krieger musste man sich eben auchmal in die Psyche seiner Opfer versetzen können. Irgendwie saßen sie alle im selben Boot. Vielleicht sammelten all diese armen bösen Seelen auch Erfahrung, nur eben anders, auf ihre Art und Weise, und wenn sie sich geschickt genug anstellten, bekamen sie irgendwann einen Namen oder wurden sowas wie Culduurach, der Glitzerkönig, der gar nicht wie ein Glitzerkönig aussah, und starben dann auch deutlich seltener.

Überhaupt, Erfahrung sammeln. Das konnte gefährlich sein. Er erinnerte sich an Gestalten, die nur noch ein Schatten ihrer selbst waren, und die unter seltsamen Zuckungen und unzureichender Kontrolle ihres Speichelflusses nur noch "Exp Exp !" von sich gaben, meist gefolgt von einer wilden Kombination unterschiedlicher Orte oder auch nur dem halbwegs verständlich hervorgebrachten Satz "Lasst uns tiefer rein gehen". Nicht selten war das Verlieren eben jener Kontrolle des Speichelflusses das Einläuten eines kollektiven Auftauchens der Helden beim Heiler ihrer Wahl. Womit wir wieder beim unangenehmen Thema Wiederbelebungsübelkeit waren.

Verdammt, er hätte Heiler werden sollen. Heiler hatten es gut. Sie mussten nicht kämpfen, sie mussten nicht sterben, niemand erwartete von ihnen, auf große Fahrt zu werden um irgendeine glorreiche Quests im Namen Hibernias, Häuptling Proinnsias, Königin Brigits oder wem auch immer zu erledigen. Ein Leben ohne Wiederbelebungsübelkeit. Das wäre was. Und beruflich gesehen, naja, gestorben wurde immer, da konnte man nicht viel falsch machen. Kein noch so legendärer Handwerker konnte soviel Geld machen wie ein einigermaßen geschäftstüchtiger Heiler. Ja, Heiler hatten es gut, die hatten ausgesorgt, sie standen über den Dingen. Obwohl ... wenn er ehrlich war ... ein Leben ohne Kämpfen ? Mein Gott, wie gnadenlos langweilig musste das nur sein ? Außerdem, die meiste Zeit im selben Dorf, nur selten mal was vom Land sehen. Oftmals Schichtdienst oder sogar rund um die Uhr Bereitschaftsdienst, Tag und Nacht, weil es ja nunmal nicht so viele von ihnen gab. Wo war da das Abenteuer ? Wo die Leidenschaft ? Vermutlich klagten heimlich viele Heiler über Übermüdung. Oder über ihr unbefriedigendes, unerfülltes Dasein, darüber, nicht mehr als eine Komparsenrolle in dieser Welt der ewigen epischen Schlachten zu spielen.

Er dachte an Cocan, die Heilerin aus dem Hain von Domnann. Sie war seit einiger Zeit seine Stammheilerin. Immer wenn er in den Grenzgebieten starb und gerade kein Druide, Hüter oder Barde noch lebenderweise anwesend war, hatte sie das Vergnügen, ihn wenige Augenblicke später wieder vor sich zu sehen - einen dann bestenfalls mässig gelaunten, mittelgroßen Kelten mit Wiederbelebungsübelkeit. Nicht, daß sie ihre Freude darüber jemals irgendwie zeigen würde. Er konnte sie verstehen. Was hatte sie groß vom Leben ? Naja, gut, sie war Sylvanerin, als Halbbaum sah man vielleicht einiges ohnehin anders, vermutlich hatten diese Wesen eh ein ganz anderes Zeitgefühl. Vielleicht war auch aufgrund ihrer rindigen Haut der Spielraum für eine ausdrucksstarke Mimik deutlich geringer als bei Kelten. Aber dennoch, mal ehrlich, was hatte sie vom Leben ? Nein, Heiler war nichts für ihn. Dann quälte er sich doch lieber mit dem täglichen Sterben rum.

Außerdem konnten Heiler sich nicht in einen Hirsch verwandeln. Diese lustige Eigenheit wollte er an sich nicht mehr missen, diese plötzliche Ausschüttung an Adrenalin, dieses Gefühl, für kurze Zeit nahezu unbesiegbar zu sein ... was man natürlich trotzdem nicht war, ok, aber der gute Wille zählt. Und die Frauen standen drauf. Fians bekamen eh alle Frauen. Naja, gut, vielleicht nicht alle ... da waren ja auch noch die Champions, die Schwertmeister, Nachtschatten, Waldläufer, Animisten, Eldritchs, Beschwörer, Mentalisten, Druiden, Barden und Hüter. Und abgesehen von denen natürlich auch noch die Schnitter und die normalen Dorfbewohner, Adligen, Handwerker, Eremiten und Heiler. Womit wir wieder beim Thema waren. Heiler hatten zweifelsohne ein fürstliches Einkommen, aber mal ehrlich, Geld, wer brauchte schon Geld ? Seine neu angefertigte Rüstung hoher Qualität lag bereits sicher in der Schatzkammer Tir na Noghs, zusammen mit einem wundervollen Großfalcata. Er brauchte seine neue Ausrüstung nur noch verzaubern zu lassen. Gut, vor einem Monat oder so hätte er anders über das Thema Geld geredet, klar, aber nunja, die Zeit blieb nicht stehen, selbst in dieser Welt nicht.

"Eine verrückte Welt" dachte er wieder bei sich. Hinzu kamen diese wirren Träume, in denen er dachte, jemand anders zu sein. Diese Träume erschienen so real, daß er manchmal wenn er aufwachte nicht mehr wirklich wusste, wer er nun eigentlich war. Da war dieser Waldläufer, der sich ständig darüber beschwerte, wie unzureichend doch seine Ausrüstung sei und daß er immer noch dieses seltsame Rapier und den Dolch minderer Qualität aus Darkness Falls hatte, und der ständig das Gefühl hatte, schlechter und schwächer zu werden, ohne die Ursachen dafür zu kennen. Da war dieser wuselige kleine Luriken, ein unerfahrener Mana-Eldritch, der nur seufzte, daß für ihn irgendwie nie Zeit sei - was auch immer er damit meinte. Er träumte nicht oft von ihm, aber trotzdem, hey, was in drei Dämonen Namen veranlasste das Unterbewusstsein eines gestandenen Fians, sich vorzustellen, wie es wohl wäre ein Luriken-Zauberer zu sein ? Der zudem ebenso viel (oder besser wenig) Ahnung von Magie und großen Zaubersprüchen hatte wie er selbst ? Und dann noch mit roten Haaren ? Cavar schüttelte den Kopf.

Dann war da dieser Druide, nein, falsch, er war ein Eleve im ersten Erfahrungszirkel, der erst ein Druide werden wollte, es aber nicht konnte, weil er irgendwie nur immer die Dinge anderer Leute aufbewahren musste und insgeheim davon träumte, endlich einmal selbst etwas zu erleben, etwas anderes, als nur mal irgendwohin zu reiten, um wieder ein oder zwei Gegenstände in Empfang zu nehmen. Er fristete sein Dasein fast wie der Hüter der Schatzkammer in der Hauptstadt des Reiches. Was für ein grausames Schicksal. Definitiv noch grausamer als das eines Heilers. Aber damit nicht genug, es gab noch einen Hüter, dessen Haar langsam grau wurde und einen Schwertmeister, dessen einziger Lebensinhalt wohl darin bestand, sich neue Falcatas zu beschaffen. Er träumte also von den Abenteuern oder besser gesagt dem Leben von fünf anderen Leuten, vielleicht würden es irgendwann sogar noch mehr. Warum träumte er nie von sich selbst ? Ein ewiges Hin und Her, begleitet von Gejammer und Gezeter. Manchmal dachte er sogar, all diese Leute gäbe es wirklich, und sie wären irgendwie nur andere Inkarnationen seiner selbst, und irgendjemand würde einfach in eine große Kiste greifen und einen rausziehen, je nachdem, wonach ihm gerade war. Eine absurde Vorstellung.

Er schüttelte amüsiert den Kopf. Wurde er langsam verrückt ? War er schizophren ? Er wollte sich gerade weiter seinen wirren Gedanken hingeben, als ihn dieser Schwertmeister fragte, ob er noch eine Gruppe suchte und mit nach Emain wollte. "Hmja" dachte er sich. Deshalb war er wohl hier. Und während er seinen Arkanit-Zweihänder vom Boden aufhob und sich seinen violetten Helm überstreifte fragte er sich, wie oft er wohl heute sterben würde, und ob er Cocans Rinde wohl heute eine Gefühlsregung entreissen konnte.